Daseinsanalyse

Die Daseinsanalyse ist eine der Psychoanalyse nahestehende Richtung, die der phänomenologischen Methode folgt und sich vor allem an Martin Heidegger orientiert. Die Daseinsanalyse entstand in den 1940er Jahren aus der Psychoanalyse und wurde von Ludwig Binswanger und Medard Boss begründet, die aber eine unterschiedliche Auffassung der Daseinsanalyse entwickelten. Anders als C.G. Jung oder Alfred Adler kritisierten Binswanger und Boss nicht bestimmte Inhalte der psychoanalytischen Theorie, sondern ihre philosophisch-anthropologischen Grundlagen. Die Daseinsanalyse wird wegen ihrer philosophischen Kritik am psychoanalytischen Naturalismus oft den humanistischen Richtungen der Psychotherapie zugeordnet, was aber nur bedingt zutrifft, da vor allem die aktuelle Daseinsanalyse die grundlegenden Gedanken Freuds wieder aufnimmt und existenzphilosophisch interpretiert.

So sind in der Daseinsanalyse Träume etwa eine Art In-der-Welt-sein wie der Wachzustand, wobei sich der Unterschied dadurch ergibt, dass dem Träumer nur das erscheint, was seiner stimmungsgemäßen Befindlichkeit in hohem Maße entspricht. Träume geben in diesem Sinn Aufschluss über Offenheit und Verschlossenheit gegenüber den eigenen Seinsmöglichkeiten. Es gibt daher keine Sinnsuche hinter der erinnerten Traumoberfläche, sondern es werden nur die erkennbaren Bedeutungsgehalte erfragt. Bei der Interpretation des manifest Erinnerten werden Analogien zwischen Traumgeschehen und Verhaltensweisen, Emotionen und Konflikten in der Wachwelt gesucht. Im Gegensatz zu Freud, der das Unbewusste vorwiegend in Triebwünschen verwurzelt sieht, lehnt etwa Binswanger diese Sicht und Herangehensweise ab und setzt dem eine Ganzheit der Person entgegen, die er mit der Terminologie Heideggers und der Methode Husserls fundiert.

Quellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Daseinsanalyse (11-09-08)




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