Naturtherapie

Die Naturtherapie ist eine spezielle psychologische Therapieform, in der das Erlebnisfeld Natur für therapeutische Zwecke genutzt wird. Die Naturtherapie wendet sich der Natur als Heilraum zu und verknüpft traditionelles, rituelles Heilwissen mit zeitgenössischen Formen von Psychotherapie und Beratung. Naturtherapien nutzen das körperliche, psychische und spirituelle Potential von Menschen, wecken dadurch Selbstorganisations- Heilungskräfte in enger wahrnehmender Verbindung mit der Natur. In der Naturtherapie nutzt man also die Natur für therapeutische Zwecke, ähnlich wie das in der Maltherapie, Tanztherapie, Musiktherapie etc. mit anderen spezifischen Erlebensräumen geschieht. Naturtherapeutische Methoden und Instrumente können sowohl im heilkundlichen Kontext (Persönlichkeitsstörungen, Traumata) wie auch für Zwecke von Entwicklung und persönlichem Wachstum eingesetzt werden. Typische naturtherapeutische Instrumente sind etwa die freie Naturerfahrung, Übungen in und mit der Natur, Übergangsriten und übergangsrituell gestaltete Erfahrungsräume, die Arbeit mit dem Kreis des Selbst, Natur als Übung in Form von Wandern oder Gartenarbeit. Es gibt verschiedene Formen der Naturtherapie, eine ist etwa die tiefenpsychologisch ausgerichtet, die den theoretischen Rahmen aus der Existentialpsychologie schöpft. Der existentialpsychologische Therapieansatz der Naturtherapie entspricht der Erfahrung, dass Menschen in der Natur sich vor allem in ihrer Existenz, in ihrem Dasein angesprochen fühlen und weniger in ihrer Einbindung in soziale Systeme und ihrem Verhalten darin. Menschen sind seit jeher in die Natur gegangen, nicht um ihr soziales Funktionieren zu verbessern, sondern um wieder in Kontakt zu kommen mit ihrer Seele, um tiefere Einsichten zu gewinnen in die Bewegungen ihres Lebens und um sich wieder als irdische Kreatur zu spüren, eingebunden in den grossen und umfassenden Kontext des Seins. Eine solch ursprünglichere Art des Daseins enthält immer auch eine veränderte Perspektive auf die Welt und auch auf Problematisches.

Im Rahmen der neueren Entwicklungen in der modernen Psychotherapie  gewinnen die Formen der Naturtherapie eine immer größere Bedeutung: Tiergestützte Therapie, Garten- und Landschaftstherapie etc. Seit Ende der 1960er Jahre schon in der Integrativen Therapie praktiziert, wurden diese Formen theoretisch und praxeologisch mit substantiellem Bezug auf Evolutionspsychologie, Neurobiologie, ökologischer Theorie und Ethik ausgearbeitet. Hilarion Petzold empfiehlt Naturtherapien vor allem gegen Stress und Depressionen, denn der Mensch hat durch die Evolution ­einen angeborenen Naturbezug, doch wird er der Natur durch die moderne Zivilisation und Arbeitswelt immer stärker entfremdet. Außerdem raubt die dramatische Veränderung der Umwelt jenen Raum, um die in Menschen vorhandenen motorischen und sensorischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Naturtherapie befasst sich vor allem mit Menschen, deren Naturentfremdung schon krank macht. Mit dem Kontakt zur Erde und den Pflanzen in der Gartentherapie kommt man zu multisensorischen Erfahrungen in einer Gemeinschaft, während eine tiergestützte Therapie traumatisierten Menschen, die das Vertrauen in Menschen verloren haben, helfen kann, wieder Kontakt aufzunehmen, wobei die Empathie eines Tieres, etwa eines Hundes oder Pferdes, dabei hilft. In Japan gibt es eine Bewegung, die sich Waldbaden nennt. Untersuchungen belegen, dass regelmässige Spaziergänge in Nadelwäldern das Immunsystem positiv beeinflussen, im Gegensatz zum Spazieren in der Stadt. Werden Naturtherapien im Rahmen von psychotherapeutischen und psychiatrischen Therapien eingesetzt, hat man die Möglichkeit, die Behandlungszeiten zu verkürzen, die Medikamente zu reduzieren und einen Transfer der Therapiewirkung in den Alltag zu erreichen. Wenn jemand in einer Gartentherapie gelernt hat, dass das Gärtnern ihm guttut, heilsam für seine Seele ist, dann hat er die Möglichkeit, das auch Zuhause zu machen oder sich einer Gartengruppe anzuschliessen.





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