Zukunftswerkstatt

In der pädagogischen Methode der Zukunftswerkstatt werden wünschenswerte, utopische Zukünfte entworfen, wobei es irrelevant ist, ob diese Zukunftsvorstellungen realistisch sind oder nicht. Man setzt sich in einer Zukungtswerkstatt mit der Frage auseinander, wie eine ideale Zukunft aussehen sollte, und wie man in dieser leben will. Das Besondere an der Zukunftswerkstatt ist die Umkehrung der Perspektiven, denn man betrachtet die Gegenwart aus Sicht der idealisierten Zukunft, um dann alternative Entwicklungen der Gegenwart zu erarbeiten, die zu einer solchen Zukunft führen. Die Idee der Zukunftswerkstatt ist untrennbar mit dem Zukunftsforscher, Friedenskämpfer und Humanisten Robert Jungk verbunden, der ein zunehmendes Auseinanderklaffen des technisch-ökonomischen Fortschrittes einerseits und der Entwicklung humaner Lebensbedingungen andererseits beobachtete.

Die Zukunftswerkstatt ist eine gruppenorientierte Problemlösungsmethode, bei der die Betroffenen von Entwicklungen selbst zu Wort kommen sollen. Die Zukunftsplanung soll nicht nur den Politikern, Managern und Experten überlassen werden. Insofern gehen Zukunftswerkstätten davon aus, dass alle Menschen das Recht und die Fähigkeit haben, die Zukunft nach ihren sozialen und politischen Wünschen, Zielen und Bedürfnissen mitzugestalten, und sind ein Instrument der innovativen und demokratischen Gestaltung der Zukunft. Sie sind ein Modell der Problemlösung, Ideenfindung, Planung und Beteiligung von Betroffenen. In einer Zukunftswerkstatt können die Bürger Ideen für Veränderungen entwickeln, die eigenen kreativen Potentiale entfalten und in einer lockeren und phantasievollen Atmosphäre ihre Ohnmachtsgefühle gegenüber angeblichen Sachzwängen überwinden lernen. Zukunftswerkstätten können als „Problemlöse- und Wer macht was mit wem bis/ab wann Ideenfindungswerkstätten“, als „Lernwerkstätten“ oder als Veranstaltungen für Großgruppen im sozialen und politischen Bereich konzipiert werden und eine große Anzahl von Themen abdecken. Die „klassische“ Zukunftswerkstatt besteht aus einem Dreischritt, der sich im Laufe der Zeit als wirkungsvolles Instrument zur Mobilisierung sozialer und ökologischer Phantasie erwiesen hat. In der ersten Phase, der Kritik- und Problematisierungsphase, sollen die Teilnehmer sich möglichst ungeschminkt über das betreffende Thema äußern. Die zweite Phase, die Phantasie- oder Utopiephase, dient der Entwicklung von Ansätzen zu Problemlösungen, und in der Verwirklichungs- oder Umsetzungsphase geht es darum, Wege zur Umsetzung der Phantasien und Utopien zu finden.

Literatur
Stangl, W. (1998). Moderationspraxis – Praktische Methoden.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/moderationspraxis.shtml (98-10-11)




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