Risikoparadox

Der Begriff des Risikoparadox bezeichnet das Phänomen, dass Menschen verwirrt sind, wenn es um komplexe Zusammenhänge geht, wenn also etwa zwischen Ursache und Wirkung mehrere Schritte und Rückkopplungseffekte liegen. Menschen vertrauen in komplexen Situationen daher häufig auf die Intuition, die aber dann ein schlechter Ratgeber ist. So ist etwa die Angst vor Pestiziden und Konservierungsstoffen in Lebensmitteln, denn diese stehen seit vielen Jahren unter genauer Kontrolle und Forschung, sodass die Lebensmittel  so sicher sind wie noch nie vorher in der Geschichte der Menschheit. Zwar zeigen Studien, dass Menschen, die intuitiv entscheiden, meist später noch zufriedener sind als Menschen mit einer rein rationalen Entscheidung (angeblich nutzen Menschen, die auf die Intuition vertrauen, verborgenes Wissen). Doch Fakten  widerlegen diese Behauptung, denn die Intuition wurde von der Natur für örtlich und zeitlich nahe Vorgänge entwickelt, sodass es häufig zu Fehlschlüssen kommt. Die durchschnittliche Lebenserwartung,  Wohlstand und Sicherheit der Menschen steigen seit einiger Zeit beständig, in vielerlei Hinsicht geht es allen Menschen immer besser.

Das kommt daher, dass Menschen Ereignisse überbewerten, die in ihrem nahen Umfeld geschehen. Besonders ängstigen Menschen aber auch Dinge, für die es keine Sinne gibt, etwa Strahlen. Menschen empfinden häufig dabei auch die Unsicherheit schlimmer als reale Gefahren, und neigen daher zu unzulässigen Vereinfachungen. Pestizide, chemische Konservierungsmittel und Gentechnik im Essen können Menschen nicht sehen, fühlen oder schmecken, weshalb diese Dinge vielen Angst machen, obwohl statistisch gesehen nur sehr wenige Menschen daran ­sterben, während an unausgewogener Ernährung wie zu viel Fett und Fleisch, zu wenig Obst und Gemüse hingegen viel mehr Menschen sterben.

Nicht zuletzt werden durch die modernen Medien bedrohliche Ereignisse in fernen Ländern überall präsent, sodass etwa durch die Allgegenwärtigkeit von Konflikten und Katastrophen Menschen den Eindruck gewinnen, die Welt steht vor dem Zusammenbruch. Das führt ach dazu, dass hingegen abstrakte Risiken, die weit in der Zukunft liegen und wenig abschätzbar sind, unterschätzt werden, etwa systemische Risiken für ganze Kontinente oder die ganze Erde etwa durch Eingriffe in Naturkreisläufe. Menschen sollten sich daher vor diesen systemischen Risiken fürchten, um den Gefahren mit Verantwortung, Mündigkeit und Bürgerbeteiligung entgegentreten zu können.

Literatur
Renn, O. (2014). Das Risikoparadox – Warum wir uns vor dem Falschen fürchten. Fischer-Verlag.





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