Impostor-Syndrom

Anzeige

Das Impostor-Phänomen, auch als Hochstapler-Syndrom oder Betrüger-Phänomen bezeichnet, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene unfähig sind, ihre Erfolge zu internalisieren. Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten sind die Betroffenen davon überzeugt, dass sie ihren Erfolg erschlichen haben und diesen nicht verdient haben. Von anderen als Erfolge angesehene Leistungen werden von den Betroffenen mit Glück, Zufall oder mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten von anderen erklärt.

Manche Menschen sind unfähig, an ihre eigene Leistung zu glauben, vielmehr sind sie eher davon überzeugt, ihre Erfolge durch Beziehungen oder Glück erreicht zu haben, nicht aber auf Grund ihrer Fähigkeiten. Sie halten sich eher für Hochstapler und fürchten, ihre vermeintlich wahre und geringe Leistungsfähigkeit könnte schon bald enttarnt werden. Man vermutet, dass hinter dem Syndrom negative Kindheitserfahrungen stehen, wenn die Betroffenen etwa im Elternhaus gelernt haben, dass sie nur geliebt werden, wenn sie permanent hohe Leistungen erzielen. Charakteristisch für Menschen mit dem Impostor-Phänomen sind allerdings auch eine überdimensionierte Vorstellung von Kompetenz und große Furcht vor negativer Kritik.

Bei einer starken Ausprägung des Syndroms können die Folgen äußerst belastend sein, ähnlich wie bei einer Angststörung oder einem Burnout, im schlimmsten Fall prägt es das ganze Leben und die Betroffenen werden depressiv. Generell ist es für Menschen schwierig einzuschätzen, was noch normale Selbstzweifel sind und ab wann man von Hochstapeln sprechen kann. Kritisch wird es immer dann, wenn Menschen ihre Leistung systematisch unterschätzen und sich gleichzeitig unverhältnismäßig große Sorgen machen, bei der Erfüllung von wichtigen Aufgaben den Ansprüchen nicht zu genügen. Wichtig ist dann zunächst einmal, das eigene verquere Denkmuster zu erkennen und dieses zu hinterfragen. Solche Menschen sollten sich Rückmeldungen von Freunden holen, die ihnen wohlgesonnen sind, denn bis zu einem bestimmten Grad ist es völlig normal, im Alltag in bestimmten Situationen eine Rolle zu spielen. Man kann etwa ein Erfolgstagebuch zu führen, in dem man regelmäßig notiert, wenn man eine positive Rückmeldung bekommen und eine besondere Leistung erbracht hat. Sind die Zweifel wieder einmal übermächtig, hilft dann ein Blick in das Tagebuch.

Manche diese Menschen sind jedoch psychisch krank, wenn sie aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus ein Lügengebäude aufbauen, das immer größer wird und schließlich in sich zusammenbricht. Wenn Betroffene etwa eine sehr ehrgeizige Mutter hatten, der sie nie entsprechen und vertrauen konnten, dann kann z. B. das Vortäuschen eines Universitätsabschlusses aus diesem Druck heraus eine negative Kompensation bedeuten. Manchmal sind Betroffene auch so von sich selbst überzeugt – etwa beim Vortäuschen eines Medizinstudiums -, dass sie auch anderen dieses Gefühl vermitteln, d. h., sie trauen sich alles zu, haben ein überbordendes Selbstvertrauen und leiden unter Realitätsverlust. Am Ende scheitern sie und sind schwer depressiv bis hin zur Selbstmordgefährdung. Man sollte Betroffene daher nicht einfach als verrückt abzustempeln, sondern ihnen psychiatrische oder psychologische Hilfe nahelegen, damit diese ein gelungenes und erfülltes Leben ohne Gefahr für die Gesellschaft führen können.

Siehe dazu das Attribuierungsmodell von Weiner: Weiners Konzept der Attribution besagt, dass die Ursache von Handlungen in Bezug auf eine gegebene Person innerhalb (internal) oder außerhalb (external) attribuiert werden kann. External sind Kausalfaktoren, die außerhalb eines gegebenen Organismus lokalisiert werden, internal sind solche Kausalfaktoren, die innerhalb eines gegebenen Organismus lokalisiert werden. Hinzu kommt als zweite Dimension die Stabilität vs Variabilität, auf Personenseite: Können (Fähigkeit=stabil) und Versuchen (Anstrengung=variabel); auf der Umweltseite: Schwierigkeit (stabil) und Glück (variabel).

Anmerkung: Die Existenz dieses Syndroms ist umstritten, d. h., es wird weder im ICD-10 noch im DSM-5 geführt.

Literatur

Stangl, W. (1998). Motive und Motivation Psychologische Erklärungsmodelle.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/MotivationModelle.shtml (98-03-02)
OÖN vom 28. Februar 2018


Anzeigen

Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

Werbung

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2018