Kevinismus

Der Begriff des Kevinismus beschreibt das psychologische Phänomen, dass Eltern bildungsferner Schichten ihren Kindern eher exotische oder anglo-amerikanische Namen geben. Die Vergabe anglo-amerikanischer Namen ist dabei ein Unterschichtsphänomen, der sich aus den Faktoren Wohlstand und kulturelle Nähe begründet, denn die Namensvergabe hat auch immer etwas mit Wertschätzung zu tun. Namen aus Ländern, die in Wohlstand leben und aus einem historisch-kulturell nahen Bereich kommen, gefallen den Menschen.  Viele Namen werden daher aus Film und Fernsehen, aus der Unterhaltung genommen, wobei dieses Phänomen bis ins Spätmittelalter zurückgeht, wo man sich aus Balladen bedient hat. Die Oberschicht hingegen will ihre Kinder elitärer sehen, zeigt ein gewisses Abgrenzungsbedürfnis, ist traditionsbewusster und greift deshalb mehr auf lokal typische Namen zurück. Wie Namen wahrgenommen werden, hat unter Umständen auch Einfluss auf das Schicksal von Menschen und kann eine Richtung für deren Leben vorgeben.
Bestimmte Vornamen rufen in der Schullaufbahn Vorurteile hervor, denn die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer verbinden mit Vornamen auch Vorannahmen zu Fähigkeiten und Verhalten der Kinder. Bestimmte Schülernamen werden von einem überwiegenden Anteil der Lehrpersonen eher negativ oder eher positiv wahrgenommen, sodass dies zu einseitigen Erwartungshaltungen führen kann. Manche Vornamen tragen dazu bei, ihnen entweder positive oder negative Kompetenzen zuzuschreiben, wobei nur ein sehr geringer Anteil der LehrerInnen eine kritische Distanz zu Vorannahmen basierend auf Vornamen zeigt.
Auch haben Soziologen gezeigt, dass sich Menschen zu allem hingezogen was, was sie an ihren Namen erinnert (Name-Letter-Effect, implizierter Egoismus). Dabei bezeichnet das „Name Letter Branding“ den Effekt, dass Menschen eher zu Produkten greifen, deren Markenname ihrem Vornamen ähnlich ist.
Übrigens gibt es typische Unterschichtsnamen, die ein Greifen nach etwas Exotischem darstellen, nach etwas Hochtrabendem, etwas, das man als höher empfindet. Die These der Existenz von Unterschichtsnamen ist allerdings nicht unumstritten.
Auch Nachnamen können die Karriere eines Menschen beeinflussen, denn Menschen mit adelig klingenden Nachnamen erhalten häufiger eine Führungsposition als Menschen mit einem eher durchschnittlichen Nachnamen.  In einer Studie, bei der über zweihunderttausend Business-Netzwerkprofile mit verschiedenen Nachnamen ausgewertet wurden, zeigte sich, dass vornehm klingende Namen wie König, Kaiser oder Ritter eher in höheren Positionen zu finden waren als Namen wie Jäger, Koch oder Müller. Auch Menschen mit einfacher auszusprechenden Namen machen eher und schneller Karriere als Menschen mit komplizierten Nachnamen, da kurze und einfache Namen vertrauenerweckender wirken (Silberzahn & Uhlmann, 2013). Möglicherweise spielt das auch schon in der Schule eine Rolle.

Siehe dazu Vornamen und Vorurteile von Lehrern und Lehrerinnen.

Literatur & Quellen
Silberzahn, R. & Uhlmann, E. L. (2013). It Pays to Be Herr Kaiser- Germans With Noble-Sounding Surnames More Often Work as Managers Than as Employees. Psychological Science.
OÖN vom 17. Mai 2014





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