Philosophie

Die wissenschaftliche Psychologie hat viele Wurzeln in der abendländischen Philosophie und ihren Denmustern bzw. waren die ersten Lehrstühle einer wissenschaftlichen Psychologie fast ausschließlich im Bereich der Philosophie angesiedelt. Hier nur ein kurzer Hinweis auf philosophische „Vorläufer“ in der Philosophie der Neuzeit, die sich mit genuin psychologischen Fragestellungen beschäftigten. Das weite Feld der Wurzeln in der Antike wird an anderer Stelle behandelt: Daten zu Geschichte, wichtigen Richtungen und Personen der Psychologie. Das wissenschaftliche Denken wurde in den Anfängen nachhaltig von zwei philosophischen Richtungen geprägt: dem Rationalismus und dem Empirismus. Beide umfassten sowohl eine Epistemologie – die sich damit beschäftigt, wie der Mensch zu Wissen gelangt – und eine Moralphilosophie – die der Frage nachgeht, wie sich der Mensch verhalten sollte. Der Rationalismus geht von einer vorgegebenen Vernunftordnung aus. Es gebe eine Ordnung in der Welt, die es zu entdecken gilt. Die Ratio, das vernunftgeleitete Denken, führe zu Wissen. Descartes dualistische Unterscheidung zwischen materieller und geistiger Welt hatte über viele Jahrhunderte einen nachhaltigen Einfluss auf die abendländische Philosophie, denn alle Körper seien Automaten und unterlägen mechanischen Gesetzmäßigkeiten. Davon unabhängig sei der Geist. Descartes beschrieb ausführlich den Reflexvorgang und kann in dieser Hinsicht als Vorläufer des behavioristischen Reiz-Reaktions-Paradigmas angesehen werden. Leibniz sprach von verschiedenen Bewusstseinsstufen und von kleinen Perzeptionen, die unterhalb der Bewusstseinsschwelle lägen.  Wolff veröffentlichte umfangreiche Schriften in deutscher Sprache und unterschied explizit zwischen einer empirischen und einer rationalen Psychologie. Der Empirismus setzt auf das Primat der Erfahrung, denn nur die Sinneswahrnehmung zeige, wie die Welt beschaffen sei. Locke meinte, der menschliche Geist sei zu Beginn des Lebens ein unbeschriebenes Blatt (im Gegensatz zu Rationalisten wie Descartes, die von angeborenen Ideen bzw. Denkkategorien ausgingen). Nur durch sinnliche Erfahrung lerne der Mensch alles, was er später über die Welt weiß. Locke unterschied zwei Arten geistiger Tätigkeit: Sinneserfahrung und Reflexion. Letztere richte sich auf die Erstere. Alle Inhalte des Geistes bezeichnete Locke als Ideen. Von diesen gäbe es einfache und komplexe. Hume schließlich tilgte alle noch verbliebenen rationalistischen und deistischen Elemente aus dem Empirismus und lenkte diesen in eine materialistische Richtung. Das alleinige Prinzip der geistigen Ordnung sei die Assoziation. Er benannte drei Prinzipien, aufgrund derer Ideen einander anziehen: Ähnlichkeit, raum-zeitliche Nähe (Kontiguität) und Kausalität (wobei dieses Prinzip ein Spezialfall der Kontiguität darstellt). Alle komplexen Denkinhalte ließen sich laut Hume in ihre kleinsten Einheiten zerlegen und analysieren. Seine Philosophie war demnach assoziationistisch, elementaristisch (reduktionistisch) und sensualistisch (alles Wissen gründet auf Erfahrung). Auf Dilthey schließlich geht die Idee zurück, dass man zwei Arten von Wissenschaften – die Natur- und die Geisteswissenschaften – unterscheiden kann, aber auch der methodische Dualismus von Erklären und Verstehen, d. h., dass man für alle Naturerscheinungen Erklärungen suchen, bei allem Psychischen aber, allem Geschichtlichen, Gesellschaftlichen und bei allen Ausformungen der Kultur auf ein Verstehen dringen muss.


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Literatur
Legewie, Heiner & Ehlers, Wolfram (1992). Knaurs moderne Psychologie. München: Droemersche Verlagsanstalt.
http://www.fu-berlin.de/abcpsych/Kearney/Tutorium_Allgemeine_Psychologie_I.doc (02-09-09)
Stangl, W. (1996). Einige Daten zur Geschichte der Psychologie.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/PsychologieZeittafel.shtml (96-11-17)





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