Paraverbale Kommunikation

Als paraverbale Kommunikation werden Botschaften bezeichnet, die auf der Parasprache als jenem Anteil des Sprechens beruhen, der die individuellen Eigenschaften des Sprechers bezüglich Stimmeigenschaften und Sprechverhalten zusammenfasst. Der Begriff paraverbale Kommunikation bezeichnet somit das ganze Spektrum der Stimme, mit der Menschen eine Nachricht aussprechen. Die paraverbale Kommunikation beinhaltet daher die Stimmlage (hoch – tief, tragend – zitternd) die Lautstärke (angenehm – unangenehm laut – unangenehm leise), die Betonung einzelner Wörter oder Satzteile, das Sprechtempo (schnell – langsam), die Artikulation (deutlich – undeutlich) und die Sprachmelodie (eintönig – moduliert – singend). Menschen übermitteln in der direkten Kommunikation etwa ein Drittel der empfangenen Botschaft durch ihre Stimme, wobei dies zusammen mit der nonverbalen Kommunikation rund 90 Prozent der gesamten Nachricht ausmacht, sodass für die verbale Kommunikation wenig übrig bleibt. Am besten beobachten kann man die paraverbale Kommunikation etwa im Radio oder am Telefon, da nur die Stimme wahrgenommen wird. Komplementär dazu ist eine schriftliche Kommunikation (Brief, Email, SMS) weitgehend auf den verbalen Anteil reduziert.

Für die Alltagskommuniation bedeutet das, dass eine menschliche Stimme hoch oder tief, piepsig oder rauchig klingen kann, sodass die Stimme eines Menschen oft so individuell ist wie sein Fingerabdruck. Zwar vermischt sich der Eindruck einer Stimme mit den Sprachinformationen, also dem Inhalt des Gesagten oder dem Dialekt, doch selbst der reine Klang der Stimme verrät vieles über ihren Besitzer, wie etwa über die Persönlichkeit, das Alter, das Geschlecht, die Stimmung oder die Identität. Vor allem die Stimmen von vertrauten Personen lassen sich leicht wiedererkennen, wobei manchmal schon ein kurzes Räuspern oder Lachen reicht. Menschen sind nach Untersuchungen auch in der Lage, sich an eine Stimme zu erinnern, selbst wenn sie diese kaum kennen, wobei das Gehirn zwischen leicht zu merkenden Stimmen und denen, die schnell wieder in Vergessenheit geraten, unterscheidet.

Arnal et al. (2015) haben untersucht, warum der menschliche Schrei eine alarmierende Wirkung hat, und zwar ist das seinen einzigartigen Schwankungen in der Lautstärke zuzuschreiben. Je schneller die Lautstärke einer Stimme variiert, umso stärker reagiert die Amygdala, das Angstzentrum des Menschen. Schreie haben im menschlichen Gehirn somit eine akustische Nische, wodurch ein Schrei letztlich seine Wirkung erfüllt. Im Gegensatz zum normalen Sprechen versetzen Schreie Menschen in Alarmbereitschaft und auch viele Säugetiere kommunizieren effizient über Schreie. Schreie zeigen Frequenzen zwischen 30 und 150 Hertz, wo weder Sprache noch Gesang verortet sind. Das gesprochene Wort liegt im Bereich langsamerer Frequenzen, bei etwa 5 Hertz, während die schnellen Frequenzen von Schreien raue Laute produzieren, die vom Menschen als störend oder aggressiv machend wahrgenommen werden. Testpersonen ordnen Töne im Versuch umso unangenehmer und schrecklicher ein, je rauer sie sind. Während normale Töne in erster Linie im Hörzentrum verarbeitet werden, aktivieren die Schreilaute bevorzugt die Amygdala, also das Angstzentrum im Gehirn, das eine wichtige Rolle bei der schnellen Bewertung von Gefahrensituationen spielt, damit der Mensch rasch auf bestimmte Reize reagieren kann.

In einer Studie haben Zäske et al. (2014) 48 Personen mehrere kurze Sätze einsprechen lassen und diese anschließend 24 weiteren Testpersonen vorgespielt. Diese Lernphase wiederholten die Forscher, so dass die Probanden insgesamt sechs Stimmen jeweils zwölfmal gehört hatten. In den Testphasen bekamen sie wiederum mehrere Stimmen zu hören – sowohl neue, als auch bereits aus der Lernphase bekannte Stimmen und sowohl mit denselben, als auch mit unbekannten Sätzen. Die Probanden waren erstaunlich gut in der Lage, die ihnen bekannten Stimmen von den fremden zu unterscheiden, obwohl sie von diesen zuvor nur wenige kurze Sätze gehört hatten, wobei sie die Sprecher auch dann wiedererkennen konnten, wenn das in der Lern- und Testphase Gesagte voneinander abwich, sodass es sich dabei nicht um die einfache Wiedererkennung eines bestimmten Reizes, sondern um echte Stimmerkennung unabhängig vom Gesagten handelte. Die Gehirnaktivität der Testpersonen zeigte, dass gelernte und später wiedererkannte Stimmen vom Gehirn demnach anders als solche verarbeitet wurden, die wieder vergessen werden, und zwar unabhängig vom Inhalt der Äußerungen. Denn sobald die Testpersonen eine Stimme hörten, an die sie sich später erinnern konnten, veränderte sich das Muster der EEG-Messungen. Das Gehirn legt offensichtlich bereits in der Lernphase für bestimmte Stimmen eine Gedächtnisspur an, die dann später wieder aktiviert, sodass die Stimme erfolgreich aus dem episodischen Gedächtnis abgerufen und damit als bekannt identifiziert werden kann. Diesen Effekt hat man auch für das Lernen und Wiedererkennen von Gesichtern und Wörtern beobachtet.

In der Kommunikationstheorie wird bei der gesprochenen Sprache zwischen Gesagtem und Gemeintem unterschieden, wobei meist, um das eigentlich vom Sprecher Gemeinte zu verstehen, der Körpersprache eine große Rolle zukommt. Was Menschen inhaltlich sagen wollen, erhält erst durch die Körpersignale, die gesendet werden, die passende und oft emotionale Information, wie das Gesagte zu verstehen ist. Erst durch die eigene genaue Beobachtung kann man verstehen, was eine Sprecherin oder der Sprecher meint. Aufschluss erhält man in der Regel durch drei verschiedene Aspekte der Körpersprache: die Kinesik, also die Bereiche der Mimik, Gestik und Körperhaltung, die Proxemik, also das Verhalten im Raum und die Prosodik, also den Einsatz der menschlichen Stimme.

Literatur

Arnal, Luc H., Flinker, Adeen, Kleinschmidt, Andreas, Giraud, Anne-Lise & Poeppel, David (2015). Human Screams Occupy a Privileged Niche in the Communication Soundscape. Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2015.06.043.
Zäske, R., Volberg, G., Kovács, G. & Schweinberger, S.R. (2014). Electrophysiological Correlates of Voice Learning and Recognition. The Journal of Neuroscience, 34,  10821-10831.





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  1. One Response to “Paraverbale Kommunikation”

  2. Computervermittelte Kommunikation (CvK) ist die Kommunikation über das Medium Computer. Dabei können alle Arten elektronisch übertragbarerer Medien verwendet und somit textbasierte und/oder audio-visuelle Inhalte übermittelt werden. Textbasierte CvK entsteht beispielsweise durch das Verfassen von E-Mails, die Teilnahme an Chats oder das Lesen von Newsgroups, Blogs und Foren. Dabei fehlen soziale Hinweisreize wie Mimik, Gestik und die paraverbale Kommunikation, sodass das äußere Erscheinungsbild des Kommunikationspartners nicht wahrgenommen werden kann. Anders ist es bei der audivisuellen CvK wie beispielsweise bei Audio-/Video-Konferenzen (z.B. Skype) oder in virtuellen Welten (z.B. Online Games). Hier können sich die Kommunikationspartner über Video-Chats oder Avatare gegenseitig (an)sehen, sodass soziale Hinweisreize einbezogen und das äußere Erscheinungsbild wahrgenommen werden kann.

    By Computervermittelte Kommunikation (CvK) on Jul 25, 2014

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