Psychologie, wissenschaftlich

Schon in einem Papyrus wurde die Depression erwähnt, der Philosoph Platon entwickelte die Basis für das Schichtenmodell der Seele, das später eine der Grundlagen für Freuds psychodynamisches Modell werden sollte, und Aristoteles schrieb etwa 350 v. Chr. das Lehrbuch De Anima (Über die Seele). Avicenna erforschte um 1000 n. Chr. psychische Erkrankungen und beschreibt die kognitiven Prozesse des Menschenverstandes, die Vorstellungskraft, das Denken, den Glauben und das Gedächtnis. Thomas von Aquin setzte sich um 1250 mit dem Leib-Seele-Problem auseinander und auch Cartesius beschäftigte sich um 1630 mit der Existenz der Seele (res cogitans). Der Begriff „Psychologie“ wird in einer Veröffentlichung von von Marko Marulic 1509 vermutlich zum ersten Mal verwendet, wobei diese Historie oftmals auch Philipp Melanchthon oder Rudolf Goclenius zugeschrieben wird. Julien Offray de La Mettrie veröffentlichte schließlich 1746 das Buch „L’homme machine“ („Der Mensch als Maschine“). Auch Gottfried Wilhelm Leibniz leistete Beiträge zur Entwicklung der Psychologie und im 18. Jahrhundert verfasste Christian Wolff die Werke „Psychologia empirica“ und „Psychologia rationalis“, wobei die „psychologia rationalis“ als apriorische (nicht-empirische) Disziplin ein Teilgebiet der Metaphysik darstellt, während die Methode der „psychologia empirica“ die Introspektion bezeichnet, die in den Anfängen der Psychologie grundlegend war. Schon für Immanuel Kant ist Psychologie eine empirische Wissenschaft, allerdings handelt es sich dabei um eine innere Empirie, um Introspektion mittels eines „inneren Sinnes“. Kant schrieb auch das erste psychologische Lehrbuch 1798: „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“. Hier nennt er die wichtigsten Probleme psychologischer Forschung wie methodenbedingte Reaktivität, Konfundierung von Selbstbeobachtung und Selbstdarstellung, durch Einstellungen bedingte systematische Verzerrungseffekte bei der Selbstbeobachtung sowie der Selbst- und Fremdbeurteilung, problematische Inkonsistenzen, Sinnestäuschungen und Urteilsprozesse in der Wahrnehmung, selektive Beschränkung auf bewusste Vorgänge, fragliche Compliance und mögliche Reaktanz. Nach Jochen Fahrenberg (2015) bestimmen diese Probleme auch noch die aktuelle wissenschaftliche Psychologie.

Eine erste „Geschichte der Psychologie“ wurde von Friedrich August Carus 1808 verfasst.

Die Väter der naturwissenschaftlich orientierten wissenschaftlichen Psychologie waren überwiegend Physiker und Chemiker wie Hermann von Helmholtz oder Gustav Theodor Fechner, aber auch Mediziner wie Wilhelm Wundt oder Philosophen wie Johann Friedrich Herbart oder Rudolf Hermann Lotze. Im Jahr 1879 gründete Wilhelm Wundt an der Universität Leipzig das weltweit erste psychologische Institut, zu dem Wissenschaftler aus aller Welt pilgerten, sodass Leipzig zu dieser Zeit zu der Hochburg psychologischer Forschung wurde. Viele Wundt-Schüler gründeten eigene psychologische Institute, so etwa Oswald Külpe und Karl Marbe in Würzburg. Die nach ihrem Wirkungsort benannte und weltweit berühmte Würzburger Schule befasste sich vorwiegend mit Denk-, Urteils- und Willensprozessen – ein bis dahin völlig neuer Forschungsgegenstand der Psychologie. Die Würzburger Schule der Psychologie unternahm Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals den Versuch, Denkprozesse mit der psychologischen Methode der systematischen Selbstbeobachtung zu untersuchen, womit der assoziationspsychologische Rahmen der bisherigen Psychologie endgültig verlassen wurde, sodass Würzburg als Geburtsort der Denkpsychologie gilt. Die Grundfrage bestand darin, zu erforschen, was Individuen erleben, wenn sie denken, urteilen und wollen. Man wollte die kleinsten Einheiten des Denkens und die Mechanismen ihrer Verknüpfung erforschen, wobei unbewusste Mechanismen des Denkens einbezogen wurden.

Max Wertheimer und Wolfgang Köhler waren die Begründer der Frankfurter und der Berliner Schule der Gestaltpsychologie, die den elementaristischen Überlegungen Wundts einen ganzheitspsychologischen Ansatz gegenüberstellten, da sich eine Gestalt sich nach ihrer Überzeugung nicht allein aus der Summe der Einzelkomponenten erklären lässt. Die Gestaltpsychologie wurde jedoch durch den zunehmend dominanteren amerikanischen Behaviorismus in den Hintergrund gedrängt, dessen zentrale Maxime darin bestand, nur beobachtbares Verhalten als Untersuchungsgegenstand anzuerkennen. Erst mit der kognitiven Wende Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wandte man sich wieder in Form der Psychologie der Informationsverarbeitung diesen Prozessen zu.

Eine aktuelle Begriffsbestimmung (TU Dresden)

Gegenstand der Psychologie ist die Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Erlebens und Verhaltens von Menschen als Individuen sowie in der sozialen Interaktion. Dazu gehört die Analyse innerer und äußerer Ursachen menschlichen Verhaltens, die Untersuchung kognitiver, emotionaler und motivationaler Prozesse einschließlich deren neurobiologischen Grundlagen; die Entwicklung psychischer Prozesse über die Lebensspanne; die Analyse der Bedingungsfaktoren von Störungen des Erlebens und Verhaltens im Zusammenhang mit gesundheitlichen, sozialen und interaktionalen Störungen sowie bei psychischen Störungen im engeren Sinne (z.B. bei Depression, Angststörungen oder Sucht); sowie die empirisch fundierte Entwicklung von Interventionsverfahren in Hinblick auf klinisch-psychologische und psychotherapeutische Verfahren und nicht-klinische Anwendungsfelder (z.B. Gesundheitspsychologie, Occupational Health).
Entgegen einem verbreiteten Bild ist die Psychologie eine streng empirische Wissenschaft, die neben einer stark naturwissenschaftlich-experimentellen Orientierung auch Elemente der empirischen Sozialwissenschaften beinhaltet. Ziel der Psychologie ist es, aus Theorien und Modellen abgeleitete Hypothesen und Vorhersagen durch objektive Beobachtungen und Experimente zu überprüfen, weiter zu entwickeln und anwendungsorientiert umzusetzen. Ein wichtiger Teil des Psychologiestudiums besteht daher in der Vermittlung von experimentellen und quasi-experimentellen Untersuchungsmethoden und mathematisch-statistischen Verfahren zur Datenanalyse.
Eine aktuelle Entwicklung besteht in der zunehmenden Integration von Teilbereichen der Psychologie (insbesondere der Allgemeinen Psychologie, Biopsychologie, Sozialpsychologie und Klinischen Psychologie) mit Teilen der Hirnforschung im Rahmen des neuen interdisziplinären Faches „Kognitive Neurowissenschaft“. Von der Kombination psychologischer Theorien und Methoden mit neurowissenschaftlichen Verfahren (z.B. modernen bildgebenden, psychophysiologischen und psychoneuroendokrinen Verfahren) erhofft man sich dabei ein tieferes Verständnis davon, wie neuronale Vorgänge im Gehirn psychische Prozesse wie Wahrnehmen, Erinnern, Denken oder Fühlen hervorbringen.

Quellen & Literatur

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/ (08-07-07)
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/
PsychologieZeittafel.shtml
(08-07-07)
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/
PsychologiePersonen.shtml
(08-07-07)
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Psychologie (09-07-08)
https://tu-dresden.de/mn/psychologie/studium/studieren-an-der-fachrichtung-psychologie (15-11-21)





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