sensation seeking

ist das Suchen nach Abwechslung und neuen Erlebnissen, um eine ständige Spannung zu erleben. Sensation Seeker sind Menschen, die ein hohes Erregungsmuster brauchen, um sich wohl zu fühlen, d. h., sie suchen starke Gefühle und Abenteuer und versuchen unbedingt, Langeweile zu vermeiden.

Es handelt sich dabei um ein physiologisch begründetes Persönlichkeitskontrukt, wobei man davon ausgeht, dass es für jeden Menschen ein optimales Erregungsniveau gibt, wobei man über das Aufsuchen oder Vermeiden von stimulierenden Reizen die Erregung regulieren kann. Dabei suchen Menschen mit einem geringen initialen Erregungsniveau eher aufregende Reize und werden somit als Sensation-Seeker bezeichnet. Diese Menschen suchen ständig neue Reize, um den gewünschten Pegel einer Stimulierung halten zu können. Es gibt demnach interindividuelle Unterschiede im Neugierverhalten, wobei diese auch intern bedingt sind und nicht nur vom Reiz abhängen müssen. Ein bekanntes Verfahren ist die Sensation Seeking Skala von Zuckerman. Sie war konstruiert worden, um interindividuelle Unterschiede im Ertragen von Isolation und sensorischer Deprivation vorherzusagen. Der Fragebogen umfasst vier Skalen:

  • Thrill and adventure seeking
  • Experience Seeking
  • Disinhibition
  • Boredom Susceptibility

Einige Befunde deuten auf einen dispositionellen genetischen Faktor hin. In Zwillingsstudien fand sich ein Erblichkeitsanteil von 58 – 68 %. Man geht im Prinzip davon aus, dass es für jeden Menschen ein optimales Erregungsniveau gibt, das zu etwa siebzig Prozent die Gene bestimmen. Nur jeder Fünfte hält sein Erregungsniveau gerne hoch, indem er häufig neue Reize sucht, wobei sich diese Sensationssuchenden von Neugierde und Aufbruchslust zu immer neuen Orten und Menschen treiben lassen, sie suchen das Abenteuer in riskanten Sportarten und sind schnell gelangweilt. Die Mehrheit jedoch, etwa achtzig Prozent der Menschen hält die Zahl der neuen Reize gering und fühlt sich in Routinen wohler als beim Abschied von Vertrautem oder einem Neuanfang. Pötzliche, ungewollte Veränderungen wie eine Scheidung fordern das Gehirn, wobei auch selbst erwartete Veränderungen wie ein Auslandsjahr, Jobwechsel oder Umzug Kraft kosten. Um neue Eindrücke zu verarbeiten, verbraucht das menschliche Gehirn große Mengen an Zucker und Sauerstoff, sodass es schnell versucht, den Energieverbrauch zu drosseln und Menschen wieder zu Routinehandlungen zu bewegen, indem es sie immer dann mit Endorphinen belohnt.

Menschen mit dem Persönlichkeitsmerkmal „sensation seeking“ scheinen übrigens nach einer Studie der Université Libre de Bruxelles aus dem Jahr 2004 durch das ständige Suchen nach Abwechslung und neuen Erlebnissen auch für Drogenkonsum anfälliger zu sein. Heroinkonsumenten wiesen dabei höhere Werte in „sensation seeking“ auf als die Alkoholabhängigen, was aber auch ein Hinweis darauf sein könnte, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale die Wahl einer Droge mitbestimmen.

In einer Untersuchung (Giebe et al., 2015) zeigte sich auch, dass Sensation Seeker, ob männlich oder weiblich, die schnell gelangweilt sind und gern aufregende soziale Kontakte eingehen, dominante Partner suchen, d. h., dominante Partner sind für sie offenbar attraktiv. Dominanz wurde in der Studie als soziale Dominanz begriffen, wobei Frauen eine höhere Präferenz für einen dominanten Partner haben. In dieser Studie zeigte sich übrigens auch, dass viele Frauen ihre Ängstlichkeit durch einen alternativen Lebensweg zu kompensieren versuchen, d. h., sie suchen keinen Partner, sondern fokussieren ihr Interesse auf Kultur, der sie aktiv nachgehen, suchen neue Erfahrungen, indem sie reisen, viel lesen und sich allgemein Kunst und Kultur widmen. Dabei würde offensichtlich ein Mann, der sehr dominant ist und den Lebensweg dieser Person beeinflusst, nur stören.

Übrigens: Prominente Menschen wie Schauspieler, Musiker oder Entertainer müssen und wollen sich für die Öffentlichkeit in Szene setzen, d. h., viele Prominente sind narzisstisch veranlagt und damit auch neugierig, risikofreudig und experimentierbereit, wobei diese Eigenschaften auch den Konsum von stimulierenden oder bewusstseinsverändernden Substanzen fördern. Ihr ständiges Suchen nach Abwechslung und neuen Erlebnissen kann körperlich riskante Aktivitäten, soziale Stimulation oder einen unkonventionellen Lebensstil umfassen, wobei stimulierende Substanzen („Upper“), dämpfende Substanzen („Downer“) und bewusstseinsverändernde Substanzen (Halluzinogene) diese Sensationssucht befriedigen. Vor allem der Drang nach Selbstdarstellung veranlasst viele Prominente, die eigene Persönlichkeit durch Drogen zu verändern.

Anmerkung: Sensation seeker diametral gegenüber stehen ängstliche Menschen, die sich viele Sorgen machen und allgemein angespannt sind.

Literatur

Giebel, G., Moran, J., Schawohl, A. & Weierstal, R. (2015). The thrill of loving a dominant partner: Relationships between preference for a dominant mate, sensation seeking, and trait anxiety. Personal Relationships, 22, Issue 2, 275–284.
Zuckerman, M. (1988). Behavior and Biology: Research on Sensation Seeking and Reactions to the Media. In L. Donohew, H.E. Sypher and E.T. Higgins (Eds.), Communication, Social Cognition and Affect. Hillsdale, New Jersey: Lawrence Erlbaum.


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