Massenpsychologie

In dem Klassiker „Psychologie der Massen“ stellt Gustave Le Bon die Grundbegriffe des Massenverhaltens dar und kann daher als Begründer der Massenpsychologie angesehen werden. Er verstand seine Arbeit als die erste systematische Auseinandersetzung mit der Masse als psychologisch erfassbarem Gegenstand. Seine radikale Grundthese war, dass die Masse eine Form der rationalen menschlichen Existenz sei und eine allgemeinmenschliche Erscheinung. Er postuliert charakteristischer Merkmale der Massenseele wie das psychologische Gesetz der seelischen Einheit, wobei sich in der Kollektivseele die intellektuellen Fähigkeiten und damit die Individualität der Individuen vermischen und die Intelligenz der Einzelnen reduziert wird. Deshalb verhalten sich Einzelne bisweilen in der Masse, wie sie es als Individuen nie tun würden. Le Bon versucht in seinem Werk das Gefühl und die Moral der Massen, ihre Impulsivität und Intoleranz, und vor allem ihren Autoritarismus und Konservativismus zu erklären , alles– Merkmale, die die Masse zum geeigneten Spielball von Demagogen machen. Jede Masse entwickelt eine eigene Sittlichkeit, die dazu führt, dass die Interessen Einzelner den Interessen der Gemeinschaft untergeordnet werden, was das oft heroische Verhalten von Massen erklären kann. In der Analyse der spezifischen Einflussfaktoren von Führern auf die Anschauungen der Masse, deren Methoden der Kontrolle wirken angesichts der totalitären Geschichte des 20. Jahrhunderts geradezu prophetisch. Auch Sigmund Freud bezog sich in seinen Arbeiten zur Massenpsychologie explizit auf Le Bon.

Übrigens haben auch Volksfeste wie das Münchner Oktoberfest den Charakter von Massenveranstaltungen mit Sogwirkung. Die Münchner Sozialpsychologin Brigitte Veiz hat dieses größte Volksfest der Welt in ihrer Arbeit „Das Oktoberfest – Masse, Rausch und Ritual“ tiefenpsychologisch analysiert und dabei auf die Überlegungen von Sigmund Freund und Elias Canetti zur Psychologie der Massen Bezug genommen. Sie erklärt, dass ein Großereignis wie das Oktoberfest angeborene Abwehrmechanismen und anerzogene Antipathien außer Kraft setzt, ist und dass das Individuum in der Masse aufgeht, wobei die meisten Menschen es genießen, zum Teil einer Masse zu werden, wenn diese dasselbe Ziel hat wie sie selbst. Im Fall des Münchner Oktoberfestes ist es das Ziel zu feiern, bis ein kollektiver Glückszustand erreicht ist, wobei sie sich vom Sog des Oktoberfests mitreißen lassen und dampfende Bierzelte, höllisch laute Blasmusik und anhängliche Banknachbarn wenigstens einen Abend lang als Riesengaudi empfinden.

Siehe auch Massenpanik

Unter Verwendung von http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/tid-19819/
oktoberfest-psychologie-der-sog-des-wiesn-wahnsinns_aid_550953.html (10-09-30)




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