glymphatisches System

Während im menschlichen Körper das Lymphsystem dafür zuständig, jene Stoffe zu entsorgen, entsorgt, die dieser nicht mehr braucht und die ihm gefährlich werden können, endet dieses Entsorgungssystem an der dichten Grenze des Gehirns, der Blut-Hirn-Schranke. Zwar fließt auch im Gehirn etwas Zerebrospinalflüssigkeit, die auch Abfall ausspült, dies aber viel zu langsam und viel zu wenig. Nach neuesten Untersuchungen an lebenden Mäusegehirnen hat das Gehirn ein zweites Entsorgungssystem, das von Gliazellen gebildet wird und daher den Namen glymphatisches System erhielt. Dieses glymphatische System ist im Schlaf zehnmal aktiver als im Wachzustand. Dabei werden 95 Prozent des Gehirnmülls dann entsorgt, was dadurch wird, dass im Schlaf die Gehirnzellen um bis zu 60 Prozent schrumpfen, was  Raum für die Abwasserkanäle schafft, durch die dann etwa toxische Proteine entsorgt werden, die hinter vielen Krankheiten des Gehirns stehen, etwa hinter Alzheimer. Ausreichender Schlaf ist daher offensichtlich nicht nur für das Einprägen von Informationen wichtig, sondern auch für das Entmüllen des Gehirns.

Möglicherweise könnte dieser Entsorgungsmechanismus eine Erklärung für das unterschiedliche Schlafbedürfnis verschiedener Lebewesen liefern, denn während Fledermäuse zwanzig Stunden am Tag ruhen, kommen Giraffen oder Elefanten mit drei bis vier Stunden aus.

Kurioses: In einem Magazin fand sich übrigens diese Untersuchung unter dem anschaulichen Titel: Gehirnwäsche im Schlaf 😉

Literatur
Lulu Xie, Hongyi Kang, Qiwu Xu, Michael J. Chen,Yonghong Liao, Meenakshisundaram Thiyagarajan, John O’Donnell, Daniel J. Christensen, Charles Nicholson, Jeffrey J. Iliff, Takahiro Takano, Rashid Deane & Maiken Nedergaard (2013). Sleep Drives Metabolite Clearance from the Adult Brain. Science, 342, 373-377.





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