Psychologie

Früher war die Psychologie die Wissenschaft der Seele,
heute ist sie die Wissenschaft ihres Fehlens.
Wassili Ossipowitsch Kljutschewski

Die Psychologie hat es nicht leicht, denn als Wissenschaft kämpft sie um ihren Ruf als empirisch fundierte, harte Wissenschaft, doch populärwissenschaftlich umgesetzt, driftet manches Thema in der Öffentlichkeit allzu schnell in Simplify your life-Selbstoptimierungsgebrabbel ab.
Stefan Schweiger

 

Gegenstand der Psychologie ist die Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Erlebens und Verhaltens von Menschen als Individuen sowie in der sozialen Interaktion. Dazu gehört die Analyse innerer und äußerer Ursachen menschlichen Verhaltens, die Untersuchung kognitiver, emotionaler und motivationaler Prozesse einschließlich deren neurobiologischen Grundlagen; die Entwicklung psychischer Prozesse über die Lebensspanne; die Analyse der Bedingungsfaktoren von Störungen des Erlebens und Verhaltens im Zusammenhang mit gesundheitlichen, sozialen und interaktionalen Störungen sowie bei psychischen Störungen im engeren Sinne (z.B. bei Depression, Angststörungen oder Sucht); sowie die empirisch fundierte Entwicklung von Interventionsverfahren in Hinblick auf klinisch-psychologische und psychotherapeutische Verfahren und nicht-klinische Anwendungsfelder (z.B. Gesundheitspsychologie, Occupational Health).

Der psychologische Gegenstand weist jedoch eine Besonderheit auf, die nur ihm zukommt und die man bei der Betrachtung psychologischer Phänomene immer mitberücksichtigen muss: Psychische Zustände wie Empfindungen, Schmerzen, Gefühle, Vorstellungen, Erinnerungen oder Gedanken werden erlebt., d. h., sie besitzen eine subjektive Innenseite, die sich von ihrer Außenseite unterscheidet und auch von außen nicht ohne weiteres beobachtet werden kann. Das ist anders, wenn man wie in den Naturwissenschaften von Atomen, Molekülen oder Neuronen spricht, denn bei diesen hat man es mit begrifflichen Konstruktionen zu tun, denen keine erlebnismäßige Innenseite zukommt. Begrifflich muss man daher in der Psychologie theoretische bzw. beobachtbare Phänomene von den erlebbaren unterscheiden, denn was man erlebt ist grundsätzlich verschieden von dem,
was man beobachtet, und zwar unabhängig davon, ob bei anderen oder bei sich selber, denn in der Psychologie ist man auch bei der Introspektion, also der Selbstbetrachtung, stets in einem grundsätzlich unlösbaren Dilemma. Beides ist daher aus wissenschaftlicher Perspektive immer zu unterscheiden von dem, was man zwar theoretisch erschließen kann, um erlebte oder beobachtete Phänomene zu erklären.

Die wissenschaftliche Psychologie umfasst demnach ein breites Spektrum, denn zum einen wird geforscht, nach welchen Gesetzmäßigkeiten Menschen fühlen, denken und handeln, was sie ausmacht und unterscheidet, andererseits geht es in den Grundlagenfächern darum, wie Menschen wahrnehmen, denken oder lernen (Allgemeine Psychologie), wie sich physiologische Prozesse im Gehirn sich auf das menschliche Verhalten auswirken (Neuro- und Biopsychologie), wie Sprache und Persönlichkeit sich entwickeln (Entwicklungspsychologie), wie Menschen sich in bestimmten Eigenschaften voneinander unterscheiden (Differentielle Psychologie) oder wie das Zusammensein mit anderen Menschen die Gedanken, Gefühle und das Verhalten des Individuums beeinflussen (Sozialpsychologie). Einserseits sucht die Psychologie ständig nach neuen Erkenntnissen und Gesetzmäßigkeiten über den Menschen, andererseits stellt sie Mittel und Methoden bereit, dieses Wissen in der Praxis zu verwenden, also in den Anwendungsfeldern der Psychologie, die sich in vielen Lebensbereichen finden lassen. Ingenieure etwa nutzen psychologisches Wissen über Denkprozesse, um benutzerfreundliche Maschinen zu bauen, Erkenntnisse über das menschliche Lernen übernimmt die Pädagogik, Studienergebnisse zum Altern wirken in die Medizin hinein, Forschungen über Vorurteile gegenüber Minderheiten sind für die Politik interessant, wie Mobbing entsteht wollen Personalabteilungen wissen, Erkenntnisse zur Arbeitszufriedenheit oder zum Verbraucherverhalten fließen in die Wirtschaftswissenschaften ein.

Die Psychologie ist eine streng empirische Wissenschaft, die neben einer stark naturwissenschaftlich-experimentellen Orientierung auch Elemente der empirischen Sozialwissenschaften beinhaltet. Ziel der Psychologie ist es, aus Theorien und Modellen abgeleitete Hypothesen und Vorhersagen durch objektive Beobachtungen und Experimente zu überprüfen, weiter zu entwickeln und anwendungsorientiert umzusetzen.

Berufsfelder der Psychologie

Der Beruf des Psychologen bietet sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten, wobei das klinisch-psychologische und psychotherapeutische Arbeitsfeld in der Öffentlichkeit das bekannteste ist, doch auch der Einsatz in Betrieben und Organisationen hat stark zugenommen und in vielen weiteren Tätigkeitsbereichen werden heute Psychologen nachgefragt. Die Psychologie lässt sich leicht mit vielen Arbeitsfeldern verknüpfen, denn sie ist zwar ein eigenständiges Fach, aber ihre Erkenntnisse wirken in viele andere Arbeitsfelder hinein. Um die verschiedenen, teils wenig bekannten Arbeitsfelder von PsychologInnen zu illustrieren, beschreibt Susie Reinhardt in ihrem empfehlenswerten Buch „Psychologie als Beruf: Die faszinierende Vielfalt einer Profession“ zahlreiche Berufsfelder, in denen PsychologInnen mit ihren psychologischen Methoden arbeiten:

  • die Umweltpsychologin vermittelt in einem Streit zwischen Förstern, Bürgern und Moutainbikern in einem Naturschutzgebiet;
  • der Raumfahrtpsychologe beobachtet die Zusammenarbeit zwischen Menschen ihn einer simulierten Raumstation;
  • die Polizeipsychologin macht sich anhand von Tatortfotos ein Bild vom Täter;
  • der forensische Gutachter schätzt die Wahrscheinlichkeit ein, dass ein Sexualstraftäter rückfällig wird;
  • der klinische Psychologe steigt mit einer Angstpatientin auf einen Kirchenturm;
  • die Medienpsychologin berät einen Schauspieler, wie sich ein Mann mit Katzenphobie verhält;
  • der Musikpsychologe erklärt Popmusikern die Grundbegriffe der Psychoanalyse;
  • der Gefängnispsychologe führt Anti-Aggressionstrainings durch;
  • die Psychologin bei »Ärzte ohne Grenzen« baut im Kongo Strukturen für die Humanitäre Hilfe auf;
  • die Psychologin in der Beratungsstelle gibt Tipps zur Erziehung;
  • die Ingenieurpsychologin forscht, wie Mensch und Maschine am besten zusammenarbeiten;
  • die Personalpsychologin unterstützt Führungskräfte bei schwierigen Gesprächen mit Mitarbeitern;
  • der Werbepsychologe untersucht, was Kunden zufrieden macht und ihre Loyalität zur Marke erhöht;
  • der Verkehrspsychologe forscht, wie Autofahrer sich möglichst automatisch richtig verhalten;
  • der Sportpsychologe bringt Leistungssportler mental in Form;
  • der Psychotherapeut zeigt, wie man zum Heiler für die Seele wird;
  • die Traumpsychologin kümmert sich um Soldaten nach belasten- den Auslandseinsätzen.
  • die Schulpsychologen unterstützen Lehrerinnen und Schüler bei Verhaltens- oder Lernschwierigkeiten.

… Tatsache ist, dass sich natürlich viele Menschen, die selbst Probleme haben, von der Psychologie angezogen fühlen. Sie erhoffen sich Antworten, warum sie so sind wie sie sind.
Das sieht man ja auch an den Fragen zur Psychologie hier.
Psychologen, Psychotherapeuten sind vielleicht auch sensibler als andere Menschen. Sie nehmen mehr wahr, von sich selbst und vom anderen.  (Was nicht bedeutet, dass Psychotherapeuten Gedanken lesen können oder außerhalb ihrer Arbeitszeit auch nur Interesse daran haben.
Und diese Sensibilität wirkt auf manche Menschen eben „bescheuert.“
Zudem darf man nicht vergessen, dass viele Menschen Angst vor Psychologen haben, Angst „erkannt“ zu werden. Daran hat kein Psychologe das geringste Interesse, nebenbei gesagt. Jedenfalls nicht außerhalb seiner Arbeitszeit.
Aus einem Frageforum

Psychologie als Beruf – Buchempfehlungen


Literatur & Quellen
https://tu-dresden.de/mn/psychologie/studium/studieren-an-der-fachrichtung-psychologie (15-11-12)




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