Jugendalter

Jugend JugendlicheAls Jugendalter oder Adoleszenz bezeichnet man in der Entwicklungspsychologie in der Regel jenen Altersabschnitt, der sich an die späte Kindheit anschließt und die Altersspanne vom vollendeten 14. Lebensjahr bis zum Erwachsenenalter umfasst. Die untere Altersgrenze wird jedoch nicht einheitlich gehandhabt, denn vom Jugendalter wird auch gelegentlich ab dem vollendeten 12. Lebensjahr oder mit dem Eintritt der Pubertät gesprochen.

Das, was man heute Jugendalter nennt, ist aus psychologischer Sicht vor allem durch Besonderheiten in der biologischen, psychischen, sozialen und kulturellen Entwicklung gekennzeichnet. Biologisch beginnt die Jugendphase mit der Entwicklung der Sexualreife, wobei der Aufbau einer eigenen Geschlechtsrolle und die Entstehung von ersten Partnerbindungen diesen Zeitraum kennzeichnen. Damit geht die Persönlichkeitsentwicklung einher, wobei es zu einem Ausprobieren verschiedener Identitäten kommt. Die Hinwendung zur Gleichaltrigengruppe ist für diese Persönlichkeitsentwicklung dabei notwendig und wird auch gesellschaftlich gefördert.

Von einem Jugendalter zu sprechen, also als deutlich abgegrenzte Phase im Lebenslauf, ist eine historisch betrachtet relativ neue Entwicklung, denn davor kam es zu einem eher abrupten Übergang vom Kindheitsalter zum Erwachsenenalter. Zwar hat es schon immer eine Phase der Entwicklung der geschlechtlichen Reife gegeben, doch dass diese als eigenständige Phase im Lebenslauf gilt, ist kulturell bedingt. Wie Persönlichkeitsveränderungen bewertet werden, wie weit man in der Gesellschaft jungen Menschen erlaubt, Lebensentwürfe auszuprobieren und Verhaltensmöglichkeiten zu entdecken, ist nicht allein der Biologie zuzuordnen, sondern vorwiegend gesellschaftlich konstruiert. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts beginnt sich eine Jugendphase herauszubilden, und diese Phase dehnt sich im Laufe des Jahrhunderts immer mehr aus, was im Wesentlichen mit einer Verlängerung des Lebenserwartung insgesamt zusammenhängt. Zudem kann man im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts eine Vorverlagerung der sexuellen Reife feststellen, d. h., die Jugendphase beginnt immer früher. Vor allem das Bildungsbewusstsein des Bürgertums förderte die Entstehung einer eigenen Jugendphase, in der das Lernen in Institutionen als Vorbereitung für Leben und Beruf als notwendig angesehen werden, was heute meist als Bildungsmoratorium bezeichnet wird.

Siehe dazu im Detail die Arbeitsblätter zur Entwicklung im Jugendalter und Die Psychologie des Jugendalters – Ein streiflichtartiger historischer Überblick.

Literatur & Quellen

Richter, R. (2014). Soziologischer Jugendbegriff – Was ist Jugend?
WWW: https://www.soz.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/inst_soziologie/Personen/Institutsmitglieder/Richter/Sechster_Jugendbericht_Richter_27-32.pdf (14-12-12)





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