sensomotorische Raumrepräsentation

Es gibt zahlreiche Areale im Gehirn, die Räume sensomotorisch kodieren – also durch Strukturen, die sensorische und motorische Informationen integrieren, wodurch das Verhalten sehr flexibel, adaptiv und effizient ausgewählt und kontrolliert werden kann. Abei gibt es auch sehr niedriger neuronaler Ebene direkte sensomotorische Kopplungen als Basis für die Generierung von Raumrepräsentationen, um komplexe Verhaltensmuster hervorbringen können. Experimente an Tieren und Menschen zeigen, dass eine interaktive Kopplung zwischen Sensorik, Motorik und aktueller Zielrepräsentation besteht, wobei die sensorische Verarbeitung selektiv zielvorbereitend agiert, sodass das Verhalten letztlich von den jeweils aktuellen Zielrepräsentationen determiniert wird. Antizipative Prozesse finden in verschiedenen Hirnregionen statt, denn so befinden sich im Hippocampus, der essenziell für die Bildung von episodischen Erinnerungen ist, Ortszellen und Orientierungszellen, die nicht nur für die Repräsentation einer mentalen Karte der Umgebung zuständig sind, sondern auch für die Verhaltensauswahl und Verhaltenskontrolle. Dabei sind Orts- und Bewegungsinformation so miteinander gekoppelt, dass eine sensomotorische Raumrepräsentation der explorierten Umgebung entsteht, um eine potentielle Verhaltensauswahl zu treffen und die Situation zu kontrollieren. Es zeigt sich, dass das Gehirn die Umwelt nicht repräsentiert sondern Körper und Umweltinteraktion integrativ für das Verhalten sensomotorisch kodiert, wobei sensorische Repräsentationen dabei direkt an die motorischen gekoppelt sind und von diesen moderiert und strukturiert werden.

Literatur
Battaglia-Mayer, A., Caminiti, R., Lacquaniti, F. & Zago, M. (2003). Multiple levels of representation of reaching in the parieto-frontal network. Cerebral Cortex, 13, 1009-1022.
Fleischer, J.G. (2007). Neural correlates of anticipation in cerebellum, basal ganglia, and hippocampus. In Butz, M.V. et al. (Hrsg.), Anticipatory Behavior in Adaptive Learning Systems: From Brains to Individual and Social Behavior (S. 19-34). Berlin: Springer.
Schwartz, A.B., Moran, D.W. & Reina, G.A. (2004). Differential representation of perception and action in the frontal cortex. Science, 303, 380-383.




Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017