Scherengriff

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Der Scherengriff – auch Daumen-Finger-Griff – bezeichnet in der motorischen Entwicklung von Kleinkindern jene Greifbewegung, mit dem etwa ab dem 8. bis 9. Lebensmonat auch kleinere Gegenstände an der Basis von Daumen und Zeigefinger gehalten werden können. Der Greifvorgang verlagert sich von allen Fingern auf Daumen und Zeigefinger, was bedeutet, dass ab nun  Objekte sicher mit den Händen exploriert werden können. Im Alltag lernt das Kind etwa eine Tasse zu greifen, doch es dauert bei manchen Kindern noch bis zum 15. Lebensmonat, bis das Trinken aus der Tasse ohne Verschütten erfolgen kann.

Selbst einer vermeintlich simplen Aufgabe wie dem Greifen von Objekten aus verschiedenen Materialien liegen komplexe Prozesse im Gehirn zugrunde, wobei die scheinbare Leichtigkeit, mit der Menschen solche Aufgaben meistern, über die tatsächliche Komplexität hinwegtäuscht. Das Gehirn greift dabei auf erlernte Zusammenhänge zwischen bestimmten Materialien und deren Eigenschaften zurück, d. h., es schließt aus dem äußeren Erscheinungsbild eines Objekts die Textur, die Art des Materials und daraus auf dessen Eigenschaften. Die Anpassungsstrategien des Gehirns folgen dabei auch ökonomischen Prinzipien, denn Menschen erhöhen etwa die Griffpräzision nur dann, wenn es wirklich notwendig ist und wählen sonst eine bequeme Variante, falls dies kein nennenswertes Risiko birgt, das Objekt dabei zu beeinträchtigen. Weil diese automatisierten Strategien so erfolgreich sind, bemerken Menschen diese im Alltag nur selten, denn mühelos und scheinbar automatisch interagieren sie mit Gegenständen verschiedenster Eigenschaften in der Umwelt, sodass die bewussten Ressourcen frei für Prozesse wie Denken, Lernen und Erinnern bleiben .

Literatur

https://scilogs.spektrum.de/klartext/wie-greifen-im-gehirn-entsteht/ (18-03-21)


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