Lustprinzip

Das Lustprinzip ist ein Begriff der klassischen psychoanalytischen Theorie und bezeichnet das Streben des Es nach sofortiger Befriedigung der ihm innewohnenden elementaren Triebe bzw. Bedürfnisse. Indem dies geschieht, wird Triebspannung entladen und den damit verbundenen Unlust-Gefühlen ausgewichen. Lustprinzip bedeutet letztlich, dass die Gesamtheit der psychischen Aktivität zum Ziel hat, Unlust zu vermeiden und Lust zu verschaffen. Das Lustprinzip ist eines der beiden Prinzipien, die das psychische Geschehen beherrschen, wobei der komplementäre psychische Wirkmechanismus das Realitätsprinzip bildet.

Anfangs bezeichnete Freud dies als Unlustprinzip, denn die Motivation beruhe nach Freud auf der aktuellen Unlust, nicht auf die Aussicht auf zu erreichende Lust, wobei es sich dabei um einen automatisierten Regulationsmechanismus handelt – hier greift Freud auf Fechner zurück. Später gelangte Freud zum Lustprinzip, wobei aber eine unklare Definition von Lust und Unlust zu beobachten ist. Er ordenete beide zunächst der ökonomischen Betrachtung des psychischen Apparates unter, etwa zur Spannungsreduktion und Spannungsanstiegsvermeidung bzw. im Rahmen seines Konstanzprinzips im Sinne einer Konstanthaltung. Später begann Freud dieses zu relativieren, wobeo verschiedene klinische Beobachtungen der Ausgangspunkt waren, die mit diesem Prinzip nicht vereinbar waren, wie etwa der Wiederholungszwang (Wiederholen von Unlust). Freud bezieht das Lustprinzip vor allem in seinen späteren Arbeiten auch nicht mehr ausschließlich auf sexuelles Lustempfinden, sondern macht es für jede Art von Bedürfnissen oder Mängeln verantwortlich, die ein Lebewesen ausgleichen muss, um sich und seine Art zu erhalten.

Lust und Unlust stehen im Zusammenhang mit dem bekanntesten Abwehrmechanismus der Verdrängung: Es ist dies ein psychischer Vorgang, mit dem die mit einem Trieb verbundenen Vorstellungen ins Unbewusste abgeschoben werden. Es kommt zur Verdrängung, wenn dem Trieb entgegengesetzte Forderungen (des Über-Ich) gegenüberstehen. Zum Lustgewinn durch Befriedigung des Triebes würden sich damit Unlustgefühle gesellen. Um dies zu verhindern, werden die Triebvorstellungen verdrängt. Die Verdrängung ist sowohl ein normal-psychologischer Mechanismus, der der Bildung unbewusster Sachverhalte dient, als auch ein pathologischer Vorgang, der besonders bei der Hysterie eine Rolle spielt. Verdrängte Wünsche kommen unbeabsichtigt durch Symptome, Träume und Fehlleistungen wieder zum Vorschein. Andererseits ist es ein Ziel der psychoanalytischen Therapie, verdrängte Inhalte aus dem Unbewussten ins Bewusstsein aufsteigen zu lassen.



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