Selbstbeschränkung

Die Selbstbeschränkung als Persönlichkeitseigenschaft ist im Unterschied zur Selbstkontrolle ein Produkt der Vernunft bzw. der kognitiven Analyse, die der Selbstverwirklichung dient – siehe dazu das Realitätsprinzip der Psychoanalyse. Das Prinzip der Selbstbeschränkung ist eine Reaktion auf die Freiheit des Bewusstseins, das nicht damit zufrieden ist, ausschließlich das zu tun, was dienlich ist. Die Selbstbeschränkung ist somit ein Resultat aufgeklärter Vernunft, die sich im kategorischen Imperativ Kants so formuliert: Handle so, dass die Maxime deines Handeln für alle gelten könne. Umgekehrt bedeutet das auch, sein Handeln auf das zu beschränken, was allen möglich sein muss. Menschen, die verhindern können, ihren kurzfristigen Impulsen nachzugeben, noch bevor sie diese ereilen, lösen damit häufig jenen Teil eines Problems, das etwa in Situationen auftritt, in denen man sich zwischen kurzfristigen Vorteilen und langfristigen Zielen entscheiden muss. In der griechischen Sage findet sich das bei Homer: Auf seiner Reise muss Odysseus die Insel der Sirenen passieren, wobei Sirenen weibliche Fabelwesen sind, die vorbeifahrende Seeleute mit ihrem Gesang zu betören versuchen. Erliegen die Seefahrer den Lockrufen, erwartet sie ein grausiges Schicksal. Odysseus will nun den Gesang der Sirenen hören, obwohl er weiß, dass er dadurch unter normalen Umständen zu Tode kommen wird. Er lässt sich daher von seiner Mannschaft, die ihre Ohren mit Wachs verschließen muss, an den Mast binden. Dadurch ist er in der Lage, dem Gesang zu lauschen, ohne dass dem kurzfristigen Impuls, den Reizen der Sirenen folgend in den sicheren Tod zu gehen, nachgeben kann.





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