Empathie

Empathie ist die Fähigkeit zum Einfühlen und Nachempfinden der Erlebnisse und Gefühle anderer, durch sie kann man menschliche Beziehungen aufbauen und erhalten. Sie ist eine Voraussetzung für moralisches Handeln und wird bereits von Kleinkindern an den Tag gelegt. Obwohl Empathie zu den grundlegenden menschlichen Eigenschaften gehört, weiß man noch recht wenig darüber, warum Menschen über diese Fähigkeit zum Nachfühlen verfügen. Eine Wurzel des einfühlenden Verhaltens  liegt dabei nach neuesten Forschungen in neurobiologische Mechanismen begründet, denn Beobachten und Nachahmen von Emotionen bei anderen Menschen rufen im Gehirn fast die selben Erregungsmuster hervor. Siehe auch den Chamäleon-Effekt.

Der Begriff Empathie wird in der Psychologie oft mit dem Begriff Einfühlung gleichgesetzt und ist daher nach der Auffassung von Entwicklungspsychologen ein primäres Phänomen, das eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung des altruistischen und moralischen Verhaltens von Menschen darstellt.

Als empathische Schuldgefühle (feelings of empathic guilt) gelten Schuldgefühle, die auf der Fähigkeit zum empathischen Mitempfinden beruhen, und vorwiegend dann auftreten wenn eine Person sich als Quelle für die Schädigung oder Verletzung einer anderen Person erlebt.

1. Definition
Ursprünglich war der Begriff Empathie viel enger gefasst als heute, so bezeichnete Empathie ursprünglich den Vorgang, Gefühle und Stimmungen in Gegenstände und Situationen zu projizieren, um auf diese Weise deren eigentliche Qualitäten zu erfahren. Bereits die Identifikation mit Handlungsvollzügen von Menschen in der Absicht, deren Handlungsmotive zu verstehen, stellte eine große Ausweitung dar. Letztendlich versteht man heute unter dem Begriff Empathie ein sogenanntes Fingerspitzengefühl für zwischenmenschliche Beziehungen und emotionale Zustände. In der Praxis ist die Fähigkeit zur Empathie als ein Einfühlen in andere Menschen vor allem in pädagogischen Berufen von großer Bedeutung (vgl. Köck & Ott, 1994, S. 169).
2. Definition
„Empathie ist die Übermittlung oder Übertragung eines Gefühls, das ohne Vermittlung der Sinne oder der Sprache zwischen Menschen entsteht, z. B zwischen Säugling und Mutter“ (von Sury, 1967, S.62). Außerdem wird Empathie als Grundlage für die Beziehung zwischen Psychotherapeut und Patient gesehen, durch das höheres Gemeinschaftsgefühl geweckt wird und therapeutische Einflüsse unterstützt (vgl. von Sury, 1967, S. 62).
3. Definition
Im psychologischen Wörterbuch wird die Auffassung von kognitivistischen Entwicklungspsychologen erläutert, die Empathie (Einfühlung) als eine prinzipielle Grundlage für die Entwicklung des moralischen Verhaltens verstehen. Wieder wird hervorgehoben, wie wichtig Empathie als „einfühlendes Verstehen“ seitens Psychotherapeuten ist (vgl. Dorsch, 1976, S. 148).

4. Definition
„Empathie im Sinne der Fähigkeit, eine Situation, ein Problem, eine Handlung aus der Lage des jeweils anderen von der Sache Betroffenen aus sehen zu können. Das bedeutet einmal mehr, nicht jede beliebige Sichtweise ungeprüft als gleichberechtigt anzuerkennen; vielmehr geht es darum, Prozesse der argumentativen Erarbeitung begründeter Konsense in Gang zu setzen oder in Gang zu halten, Konsense, die über die anfängliche Diskrepanz unterschiedlicher Sichtweisen hinausgelangen können“ (Klafki, 1993, S. 63).
5.Definition
Casses Definition von Empathie hebt besonders den kognitiven Charakter von Empathie hervor. So sieht er in Empathie die Fähigkeit die inneren und äußeren Welten anderer Personen zu wahrzunehmen und zu entdecken. Er betont, dass jeder Mensch im Sinne von Empathie handelt, wenn wir Vermutungen anstellen, über Gefühle und Gedanken von Personen. Oft neigen Menschen aber dazu, anzunehmen, dass ihre persönliche Wahrnehmung identisch ist zu der Wahrnehmung anderer. Empathie auszuüben heißt aber laut Casse genau dies zu erkennen und darauf einzugehen (vgl. Casse, 1981, S. 139 nach Hübler, 1985, S. 195).

Empathie bzw. die Fähigkeit zur Empathie wird heute oft den Spiegelneuronen zugeschrieben. Allerdings können Menschen immer nur im Rahmen der eigenen Denk- und Empfindungsmuster interpretieren und viele Situationen sind nicht eindeutig, wobei insbesondere bei Fremden aus einem anderen Kulturkreis können sich Menschen irren.

  • Die Spiegelneuronensysteme sind bei Menschen unterschiedlich gut ausgeprägt, wobei die grundsätzliche Anlage bei gesunden Menschen schon im Säuglingsalter genutzt werden muss, damit sie sich entwickelt und nicht verkümmert. Hier spielen also Erziehungs- und Lernprozesse eine wichtige Rolle.
  • Bei Angst und Stress leidet die Leistungsfähigkeit der Spiegelneuronensysteme, sodass die Intuition sehr unzuverlässig wird, was auch die Lernfähigkeit reduziert.
  • Der analytischen Verstand des Menschen in sozialen Situationen funktionert zwar langsamer ist, aber eine notwendige Ergänzung.

Empathie hat nach Meinung des Psychologen Paul Bloom aber auch ihre Schattenseiten hat, denn der empathische Reflex verführt dazu, auf falsche Weise zu reagieren. Studien haben gezeigt, dass Empathie rachsüchtiger macht, denn wenn Menschen etwa von Straftaten wie sexuellen Übergriffen hören, versetzen sich einige von ihnen besonders stark in das Opfer hinein. In Experimenten zeigte sich, dass die besonders empathischen Probanden wollen, dass der Schuldige zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wird und dass er leidet. Solche Rachegefühle, die aus Empathie für die Opfer entstehen, können zu Vergeltungsschlägen verleiten, die niemandem helfen. Man sollte daher zwischen Empathie und Mitgefühl bzw. Mitleid unterscheiden, denn während Empathie spontan erfolgt, ein Bauchgefühl darstellt und in der Regel auf eigenen Erfahrungen beruht, basiert Mitleid weniger auf eigenen Erfahrungen, vielmehr sieht man einen Menschen in Not und hat das Bedürfnis, zu helfen, oder man entwickelt Mitleid für misshandelte Tiere, ohne ihren Schmerz wirklich nachempfinden zu können. Bei der Empathie leidet man selbst mit, beim Mitgefühl ist man innerlich freier und kann klarer denken. Wichtig ist daher aus psychologischer Sicht die Unterscheidung zwischen Empathie und Mitgefühl, denn Empathie birgt die Gefahr, sich das Leid eines anderen zu sehr zu eigen zu machen und die sichere Distanz zu verlieren. Mitgefühl hingegen ist eine positive Emotion, die die Sorge um andere umfasst und eine Motivation zum Handeln beinhaltet. Buddhistische Mönche etwa üben sich oft jahrelang darin, ihr Mitgefühl zu stärken , wobei nach Forschungen derart geschulte Mönche tatsächlich in der Lage sind, Mitgefühl auf Kommando abzurufen und dabei sogar die Stärke des Mitgefühls zu steuern.

Die Empathie lässt sich mit der funktionellen Magnetresonanztomografie nachweisen, denn Experimente haben gezeigt, dass eine Versuchsperson, die beobachtet, dass einer zweiten Person leichte Schmerzen zugefügt werden, in seinem Gehirn Teile der Schmerzmatrix aktiviert. Diese affektive Resonanz, dieses emotionale Mitschwingen belegt die menschliche Fähigkeit, Empathie mit anderen Menschen zu haben. Dabei muss man verschiedene Formen der Empathie zu unterscheiden: eine kognitive und eine emotionale Empathie: Bei der kognitiven Perspektivübernahme wissen wir, dass der andere leidet, und schätzen das abstrakt als schlimm ein, fühlen aber nicht mit. Eine affektive Empathie bezeichnet dann tatsächliche emotionale Resonanz, bei der jene neuronalen Netzwerke aktiviert werden, die auch den eigenen Gefühlen zugrunde liegen, was dann echtes Mitfühlen darstellt, wobei es auch zu einer assoziierten körperlichen Reaktion kommt (embodied cognition). Psychopathen haben häufig eine völlig intakte Fähigkeit zur kognitiven Perspektivübernahme, weisen aber ein emotionales Empathiedefizit auf, d.h., sie sind oft sogar extrem gut darin, zu verstehen, was andere brauchen und wollen, und können daher andere extrem gut manipulieren. Empathie als ein zu viel Mitfühlen, zu viel Resonanz zu zeigen, kann dazu führen, dass die betroffene Person selbst davon so überwältigt und gestresst wird, dass sie nicht prosozial handelt und dem anderen hilft, sondern sich zurückzieht oder sogar aggressiv reagiert. Derartige Phänomene beobachtet man häufig bei Konflikten innerhalb einer Partnerschaft. Daher ist es sehr wichtig, die mit negativen Gefühlen verbundene Empathie umzuwandeln in ein warmes, positives Gefühl der Sorge, etwa so, wie sie von einer Mutter dem Kind entgegengebracht wird (compassion, empathic concern). Wenn es gelingt, Empathie in compassion umzuwandeln, dann besteht auch nicht mehr die Gefahr, selbst ein Burn-out-Syndrom zu entwickeln oder mit Zynismus zu reagieren, was bei vielen Menschen in Pflegeberufen passiert.
Man kann drei Motivation gebende, emotionale Systeme unterscheiden: ein Angst- und Alarmsystem, ein appetitives System, das mit dem Wunsch einhergeht, bestimmte Ziele zu erreichen und Dinge haben zu wollen, und ein affiliatives Beziehungssystem etwa wie zwischen Mutter und Kind existiert, natürlich durch das Neuropeptid Oxytocin vermittelt, d.h., es wirkt beruhigend, angstreduzierend und ist mit dem Gefühl von Entspannung und Liebe verbunden.  Alle drei Systeme sollten bei Menschen dabei in einer Art Balance sein.

Eine amerikanische Studie an Sieben- bis Zwölfjährigen zeigte, dass Empathie nicht erst durch Erziehung entsteht , denn sahen die Kinder Bilder, auf denen andere Menschen Schmerzen litten, so wurden im Gehirn jene Areale verstärkt durchblutet, die auch an der Verarbeitung von eigenem Schmerz beteiligt sind.

warmwasserWissenschaftler (Cooper et al., 2014) zeigten einer Stichprobe acht verschiedene Videos, in denen Menschen ihre Hände entweder in eine Wanne mit Wasser tauchten, das zuvor aus einem dampfenden Wasserkocher eingefüllt worden war, oder  in eine Wanne mit Eiswürfeln gekühltes Wasser. Dabei konnten die Probanden die Gesichter dieser Darsteller nicht sehen, sondern nur deren Hände und Unterarme. Während der Videos wurde die Handtemperatur der Versuchsteilnehmer gemessen, wobei bei den Warmwasservideos die Temperatur der Hände konstant blieb, bei den Eiswürfelvideos sank die Handtemperatur um bis zu 0,2 Grad Celsius. Probanden mit einem durch einen Persönlichkeitstest gemessenen hohen Empathiewert reagierten dabei besonders stark auf die Eiswürfelvideos. Mitfühlen scheint demnach mehr als ein rein psychischer Vorgang zu sein denn er verändert auch physiologische Parameter. Empathie ist demnach für Menschen offenbar eine so wichtige Eigenschaft, dass sich in der Evolution Mechanismen entwickelt haben, bei denen der Körper den betrachteten Zustand des Gegenübers nachahmt. Siehe dazu auch die Diskussion um die Spiegelneuronen.

In einer Studie konnte man sogar zeigen, dass Menschen, die einen vermeintlichen Schnitt in einen Roboter-Finger beobachteten, Empathie gegenüber Robotern empfinden. Es zeigte sich nämlich, dass das Gehirn fast genauso auf das Bild eines verletzten Roboters reagiert, wie auf das eines verletzten Menschen.

Empathie in der personenzentrierten Gesprächsthe­rapie

Unter Empathie versteht man das einfühlende Verstehen, das nichtwertende Einge­hen, also das echte Verständnis einer Person. Ist der Therapeut in einer Beziehung kongruent, so ermöglicht dies ihm, sich auf den Gegenüber einzulassen und so die Welt mit dessen Augen zu sehen. Er ist also dar­um bemüht, den Klienten in seinem Erleben und seinen damit verbundenen Werthal­tungen, Motiven, Wünschen und Ängsten zu verstehen. So beschreibt Rogers dieses einfühlsame Verstehen als einen Vorgang im Gespräch, wo der Therapeut genau die Gefühle und persönlichen Bedeutungen spürt, die der Klient erlebt, und dass er dieses Verstehen dem Klienten mitteilt. Unter optimalen Um­ständen ist der Therapeut so sehr in der privaten Welt des anderen drinnen, dass er oder sie nicht nur die Bedeutung klären kann, deren sich der Patient bewusst ist, son­dern auch jene knapp unterhalb der Bewusstseinsschwelle. Da es sich bei diesem Verstehen aber um das Verstehen des Therapeuten handelt, nicht dem des Klienten, kann es so unter Umständen zu gravierenden Missverständ­nissen kommen. Denn um einen Klienten richtig verstehen zu können, muss man in der Beziehung zu ihm zuallererst einmal davon ausgehen, dass weder er und noch weni­ger man selber seiner gesamten inneren Welt bewusst ist. Diese innere Welt, bestehend aus Gefühlen, Empfindungen und mit Wertungen ver­bundenen Erfahrungen und Wahrnehmungen, müssen nun auf einem langen Weg der Selbstexploration gemeinsam offengelegt werden. Durch ständiges Feed-Back mit ei­genen Worten ver­sucht der Therapeut hierbei, selektiv und nicht interpretativ die ge­fühls- und erlebnismäßigen Inhalte aus dem Ge­spräch mit seinem Gegenüber aufzu­greifen und ihm dann mitzuteilen, was er von dessen Erlebniswelt glaubt, verstanden zu ha­ben. So kann er immer weiter in die Welt des Klienten eintauchen, welcher sich im­mer wei­ter öffnen wird, weil er sich von seinem Gegenüber verstanden fühlt. Denn er merkt so auch, dass er verstanden werden will. Es geht also nicht lediglich um ein „spiegeln“, ein „papageien-ähnliches Nachplap­pern“ der Aussagen des Klienten, wie diese Vorgehensweise oft missinterpretiert wurde. Vielmehr geht es also darum, sich einfühlend, nicht interpretativ vom hohen Ross ei­nes etwaigen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Standpunktes herab, dem Gegen­über als neugieriger, aber nicht fordernder Mensch zu nähern und sich so in dessen innere Welt hineinzuversetzen, d.h., ihn also auch in seiner Welt zu verstehen und zu ak­zeptieren, wie er sie empfindet.

E-Book Mitgefühl in Alltag und Forschung

Tania Singer und Matthias Bolz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften haben das E-Book Mitgefühl. In Alltag und Forschung kostenfrei zugänglich gemacht, das wissenschaftliche Ergebnisse zum Thema Mitgefühl zusammenfasst und einen Überblick über die aktuelle Mitgefühls- und Empathie-Forschung liefert. Ein wesentlicher Teil des E-Books beschäftigt sich mit der Wissenschaft des Mitgefühls bzw. wie sich Empathie von Mitgefühl unterscheidet, und dass Empathie und Mitgefühl von verschiedenen biologischen Systemen und neuronalen Netzwerken ermöglicht.
Es wird dabei an praktischen Beispielen aus dem Alltag gezeigt, wie meditationsgestützte Mitgefühlspraxen Schmerzen reduzieren können, und wie Mitgefühlstraining positive Emotionen erhöhen und soziale Nähe fördert, was wiederum die seelische und körperliche Gesundheit stärken kann. Insbesondere wird belegt, dass Mitgefühlstraining eine Reduzierung stressrelevanter Hormone wie Kortisol bewirken kann. Entstanden ist das E-Book aus dem Workshop How to Train Compassion, den Singers Abteilung 2011 im Studio des Künstlers Olafur Eliasson in Berlin organisiert hatte.
Link zum Download des E-Books: http://www.compassion-training.org

Ob Empathie und kognitive Perspektivenübernahme, also das Vermögen zu verstehen, was andere Menschen wissen, planen oder wollen, miteinander zusammenhängen, haben Kanske et al. (2016) in einer Studie untersucht. Eine erfolgreiche soziale Interaktion basiert bekanntlich auf der Fähigkeit, an den Gefühlen anderer teilzuhaben und deren Gedanken und Absichten zu verstehen, doch ist bisher unklar gewesen, ob sich etwa Menschen, die sich sehr gut in ihr Gegenüber einfühlen können, ebenfalls in der Lage sind, dessen Gedanken und Absichten besser zu verstehen. Die Probanden sahen eine Reihe von Videosequenzen an, in denen ein Erzähler einmal mehr oder weniger emotional war, und sollten anschließend angeben, wie sie sich selbst dabei gefühlt hatten, wie sehr sie mit der Person in dem Film mitfühlten bzw. mussten sich auch inhaltliche Fragen zu den Filmen beantworten. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie beobachtete man während des Versuchs, welche Areale des Gehirns zu welchem Zeitpunkt aktiv waren. Bei Probanden mit einem hohen Maß an Empathie überprüfte man dann, wie diese beim Test zur kognitive Perspektivübernahme abgeschnitten hatten. Es zeigte sich, dass jene Areale im Gehirn, die für Empathie und kognitive Perspektivenübernahme stehen, miteinander interagieren. In sehr emotionalen Situationen jedoch, wenn etwa jemand vom Tod eines Freundes erzählte, war die Aktivierung in der Insula, eines Teils des Empathie-relevanten Netzwerkes, bei manchen Menschen eher hemmend für die Gehirnareale zur Perspektivenübernahme, was dazu führte, dass überbordendes Mitgefühl soziales Verstehen eher beeinträchtigt hatte. Man schließt daraus, dass in Trainings, die die soziale Kompetenz verbessern sollen, die Bereitschaft sich in andere einzufühlen und die Fähigkeit, andere zu verstehen und deren Perspektive einzunehmen, gezielt getrennt voneinander gefördert werden sollten.

Es wird eine Art Großzügigkeitszentrum im Gehirn aktiviert, wenn Menschen anderen etwas Gutes tun, und zwar bei empathischen Menschen schneller und stärker als bei weniger empathischen. Mit Hilfe von Computermodellen und Magnetresonanztomographie hat man ermittelt, dass Menschen auch lernen können, anderen zu nützen, und dass dieses Lernen durch Verstärkungslernsignale im subgenual anterioren cingulären Cortex unterstützt wird. Allerdings wurde dieser Hirnbereich zwischen Testpersonen unterschiedlich aktiviert, denn empathische Personen haben viel schneller gelernt, anderen etwas Gutes zu tun, und haben auch eine verstärkte Signalübermittlung in diesem Gehirnareal.

Literatur & Quellen
Cooper, E. A., Garlick, J., Featherstone, E., Voon, V., Singer, T.,  Critchley, H. D. & Harrison, N. A.(2014). You Turn Me Cold: Evidence for Temperature Contagion. PLoS ONE 9(12): e116126. doi:10.1371/journal.pone.0116126.
Dorsch, F. (1976). Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Hübler, A. (1985). Einander verstehen: Englisch im Kontext internationaler Kommunikation. Tübingen: Gunter Narr Verlag.
Kanske, P., Böckler, A., Trautwein, F.M., Franca H. Lesemann, P. & Singer, T. (2016). Are strong empathizers better mentalizers? Evidence for independence and interaction between the routes of social cognition.  Social Cognitive and Affective Neuroscience.
Klafki, W. (1993). Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. Weinheim: Beltz Verlag.
Köck, P., Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer.
Tania Singer in einem Gespräch mit Der Welt vom 15. August 2011.
DIE ZEIT Nr. 49 vom 3. Dezember 2015.
von Sury, K. (1967). Wörterbuch der Psychologie und ihrer Grenzgebiete. Basel: Schwabe Verlag.
http://www.carlrogers.de/ (10-09-21)
http://www.mpg.de/7522240/mitgefuehl (13-10-12)
https://www.wired.de/collection/latest/empfinden-menschen-empathie-mit-robotern (15-11-05)
http://www.faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/empathie-zustaendiger-hirnteil-fuer-empathie-14389785.html (16-08-23)


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  1. 2 Responses to “Empathie”

  2. Hallo Herr Stangl,

    zunächst einmal möchte ich Ihnen zu diesem Online-Lexikon gratulieren. Wahrscheinlich über Jahre gewachsen, haben Sie hier wirklich etwas Wertvolles geschaffen, das für Generationen von Nutzern hilfreich sein wird. Kompliment!

    Aber nun zum Artikel:

    Sie schreiben „der analytische Verstand des Menschen in sozialen Situationen funktioniert zwar langsamer, ist aber eine notwendige Ergänzung.“ Das der Verstand grundsätzlich notwendig ist, ist klar. Ich gehe aber davon aus, dass Sie mit diesem Satz meinen, dass der Verstand für Empathie notwendig ist. Hierzu möchte ich Sie fragen: Warum?

    Ich selbst bin jemand, der nicht mit der Gabe einer besonders hohen Empathie geboren wurde. Meine emotionale Empathie habe ich mit den Jahren in kleinen Schritten verbessert, trotzdem ist Sie nicht besonders hoch. Mit Hilfe eines Persönlichkeitsmodells habe ich jedoch recht schnell kognitive Empathie lernen können. Bei meiner Freundin ist es hingegen genau andersherum. Sie hat eine sehr hohe emotionale Empathie, die meiner Meinung nach ziemlich unabhängig von Ihrem Verstand funktioniert.

    Wieso glauben Sie, dass der Verstand für Empathie zwingend notwendig ist? Gibt es dazu vielleicht sogar eine Studie?

    By Carlo on Jun 23, 2013

  3. Die Antwort auf die Frage steht davor: „Menschen (können die Emotionen anderer; W.S.) immer nur im Rahmen der eigenen Denk- und Empfindungsmuster interpretieren und viele Situationen sind nicht eindeutigg, wobei insbesondere bei Fremden aus einem anderen Kulturkreis sich Menschen irren können“.

    By admin on Jun 23, 2013

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