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Täterintrojekte

    Täterintrojekte sind psychische Deformationen, die Opfern von ihren Tätern zugefügt wurden und sich durch dissoziative Aneignungsprozesse verfestigt haben und sich im Erleben und Verhalten von Menschen unbewusst festsetzen. Täterintrojekte sind dabei psychisch komplexe Leitbilder, die Opfer gegen ihren Willen durch die brutalen Grenzüberschreitungen des Täters verinnerlicht haben. Täterintrojekte steuern den betroffenen Menschen häufig in schwer vermeidbare Wiederholungen selbst- und fremdschädigenden psychophysischen Verhaltens hinein. Betroffen sind dabei vor allem Kinder und Menschen in längeren Abhängigkeitsbeziehungen.

    Täterintrojekte bzw. Widersacher sind Täter-loyale Anteile, die in der Regel der Abwehr von Ohnmacht und Scham und dem Erhalt der Bindung zum Täter dienen, wobei die Folgen häufig Selbstbestrafung, Autoaggression oder auch gefühlte eigene Täterschaft darstellen, etwa durch die übernommenen Ansichten der Täter: du bist selbst schuld, bist nichts wert, verdienst es nicht anders, bist ein Nichts, hast es ja so gewollt, wolltest es doch auch, hat dir doch Spass gemacht. Diese Ansichten übernehmen Traumatisierte oft selbst, ihr Selbstbild ist oft von Verachtung, Wert- und Respektlosigkeit und manchmal regelrechtem Hass auf sich selbst geprägt.

    In der Traumatherapie werden diese entstandenen Gedanken und Empfindungen in der Regel Widersacher genannt. Das Charakteristische an Täterintrojekten ist das Verborgene, das Heimliche, ihr Agieren aus dem Hintergrund, wobei diese übernommenen Ansichten so tief verankert sind, dass sie ein Teil des Selbst geworden sind. Traumatisierte tragen dadurch sowohl Anteile des Täters in sich, wie auch Anteile des Opfers, wobei es schwer zu lernen ist, das zu trennen und zu erkennen, wer im Augenblick dominiert. Das Thema der Täterintrojekte ist ein bisher wenig bis gar nicht behandeltes Thema, obwohl es wesentliche therapeutische, sozialarbeiterische sowie gesellschaftliche Implikationen besitzt.


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