Antworttendenz

Als Antwortendenzen (response sets) bezeichnet man in der Psychologie die Neigung vom getesteten Personen, in Abhängigkeit von den vorgelegten Items zu antworten.  Manche Menschen tendieren z.B. dazu, immer möglichst neutral zu antworten, während andere wiederum Testitems in der Regel zustimmen (Ja-Sage-Tendenz bzw. Akquieszenz), andere antworten meist ablehnend (Nein-Sage-Tendenz). Diese Tendenzen sind formale Antworttendenzen, die vor allem bei Fragebogen relevant sind und durch die Gestaltung der Antwortmöglichkeiten und Antwortskalen gesteuert werden können. Solche Antwortttendenzen sind den betreffenden Personen aber meist nicht bewusst. Durch eine geeignete Konstruktion der Testitems kann dieses Problem einigermaßen in den Griff bekommen werden, etwa durch Kontrollskalen oder eine ausbalancierte Antwortvorgabe.

Inhaltliche Antworttendenzen werden durch den Inhalt der Frage, die Abfolge der Fragen, ihre Einbettung, die Einleitung, den ganzen Fragebogen oder den Befragungskontext verursacht. Besonders beachtenswert ist dabei die Tendenz, sozial erwünscht zu antworten, d. h., die Befragten wählen jene Antworten, von denen sie annehmen, dass sie bei dieser Befragung besonders erwünscht sind. Dadurch wollen sie im Sinne ihres Eindrucksmanagements etwa mehr Sympathie gewinnen oder sich auch als besonders qualifiziert darstellen. Mit der Tendenz, sozial erwünscht zu antworten, muss vor allem dann gerechnet werden, wenn die Ergebnisse und Konsequenzen einer Testung, eines Assessments oder einer Bewertung für die Person sehr bedeutsam sind. Zur Kontrolle dieser Tendenz, sozial erwünscht zu antworten, werden Items von bewährten Kontrollskalen zwischen die eigentlichen Fragebogenitems gestreut.

Bei einer Simulation ist das Vortäuschen von Merkmalen gemeint, da sich die Testperson Vorteile oder die Vermeidung negativer Konsequenzen davon erhofft. Von einer Dissimulation spricht man beim Verschweigen oder Bagatellisieren seelischer oder körperlicher Erkrankungen, etwa bei einer Untersuchung im Auftrag einer Versicherung zur Bewertung der Versicherungstauglichkeit.

Gegenmaßnahmen: In der Instruktion eines Fragebogens oder bei der Einleitung eines Interviews kann man versuchen, die Befragten für eine offene Einstellung zu motivieren, ihnen möglicherweise vorhandene Ängste zu nehmen, Verständnis für den Untersuchungszweck zu fördern und so das Auftreten von Antworttendenzen möglichst gering zu halten. Bei einer schriftlichen Befragung hilft etwa eine motivierende Gestaltung des Fragebogens (nicht zu lang!), eine adäquate Gestaltung des Antwortformates, wenn z. B. Ratingskalen mit einer geraden Anzahl von Antwortmöglichkeiten besser als andere Formate geeignet sind. Durch einen Wechsel der Polung der Items oder Fragen können manche formale Antworttendenzen vermieden werden. In vielen Untersuchungen wird auch mit Hilfe von Kontrollitems versucht, Antworttendenzen zu kontrollieren, wobei einige Items einmal positiv und einmal negativ formuliert vorgegeben werden. Unstimmige Antworten weisen dabei auf Antworttendenzen hin, allerdings können solche Kontrollitems über die Demotivation zu anderen Antworttendenzen führen.

Literatur
Bortz, J. & Döring, N. (2002). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler (3. Aufl.). Berlin etc.: Springer.
Rost, J. (1996). Lehrbuch Testtheorie. Testkonstruktion. Bern: Huber.
Mummendey, H. D. (1995). Die Fragebogen-Methode. Göttingen: Hogrefe.




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