schriftliche Befragung

Man spricht in der Psychologie dann von einer schriftlichen Befragung, wenn UntersuchungsteilnehmerInnen schriftlich vorgelegte Fragen selbst wieder in schriftlicher Form beantworten. Die Fragen in Fragebögen werden auch als Items bezeichnet, die als Frage oder als Urteil formulierte Aussagen dartellen, zu der die befragte Person ihre Zustimmung oder Ablehnung meist in unterschiedlicher Intensität äußern soll. Man findet in der Psychologie vor allem Fragebögen zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen oder -einstellungen sowie solche zur Erfassung konkreter Verhaltensweisen. Fragebögen enthalten meist geschlossene Fragen mit vorgegebenen Antworten. Ein Vorteile der schriftlichen Befragung sind die geringeren Kosen gegenüber mündlichen Befragungen; außerdem sind sie gut geeignet, wenn größere Personengruppen untersucht werden sollen. Man unterschiedet dabei verschiedene Formen der schriftlichen Befragung:

  • Befragung vor Ort: Unter einer Befragung vor Ort versteht man eine Befragung, die in Räumen der Forschungsinstitution durchgeführt wird. Befragungen vor Ort ermöglichen ein hohes Ausmaß von Kontrolle über die Untersuchungssituation, sind aber aufgrund von Problemen bei der Terminabsprache oft schwer zu realisieren.
  • Postalische Befragung: Häufig werden Befragungen in der Form durchgeführt, dass die Fragebögen den Teilnehmern/innen – nach vorheriger Absprache – nach Hause zugeschickt werden. Bei postalischen Befragungen haben die ForscherInnen allerdings keine Kontrolle über die Untersuchungssituation (s.o.). Außerdem ergibt sich bei postalischen Befragungen häufig das Problem, dass die Rücklaufquote niedrig ausfällt, dass also nur ein Teil der Personen in der Stichprobe die Bögen auch tatsächlich ausgefüllt zurückschickt. Eine geringe Rücklaufquote ist vor allem dann problematisch, wenn die Nicht-Rücksendung systematisch mit bestimmten Merkmalen der Stichprobe zusammenhängt. Wenn das der Fall ist, muss die Stichprobe der zurückgesandten Fragebögen als verzerrt gelten; die Ergebnisse können dann nicht mehr ohne Weiteres verallgemeinert werden.
  • Befragung in einem Panel: Bei Panel-Befragungen handelt es sich um längsschnittlich angelegte Untersuchungen, bei denen die TeilnehmerInnen in bestimmten Zeitabständen wiederholt befragt werden. Das zentrale Problem solcher Untersuchungen besteht in dem ‚Schwund‘ von TeilnehmerInnen: Je mehr Befragungszeitpunkte vorgesehen sind, desto größer wird der Anteil der Personen in der Stichprobe, die für eine Befragung nicht mehr erreichbar sind (Tod der Stichprobe). Längsschnittliche Untersuchungen sind vor allem in der Entwicklungs- und in der Gesundheitspsychologie von Bedeutung.
  • Computervermittelte Befragung: Mit der Verbreitung von Computer und Internet haben computervermittelte Formen der Befragung zunehmend an Bedeutung gewonnen. So wer-den beispielsweise Fragebögen im WWW online zur Verfügung gestellt oder den ProbandInnen per e-mail zugesandt. Der Vorteil dieser Befragungsverfahren besteht darin, dass eine große Personenanzahl mit wenig Aufwand erreicht werden kann. Diesem Vorteil steht allerdings das Problem gegenüber, dass die so erreichte Stichprobe eine sehr selektive ist, so dass die Ergebnisse nur eingeschränkt verallgemeinert werden können. Siehe dazu Online-Tests.
  • Delphi-Methode: Bei der Delphi-Methode handelt es sich um ein mehrstufiges Verfahren der Befragung von Experten/innen.

Literatur

Bortz, Jürgen & Döring, Nicola (2006): Forschungsmethoden und Evaluation. Heidelberg: Springer.
Kromrey, Helmut (2009). Empirische Sozialforschung. Stuttgart: Lucius.
Stangl, W. (1998). Die Befragung.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/FORSCHUNGSMETHODEN/Fragebogen.shtml (98-11-21)

 




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