Erklärung

In der Psychologie gibt man sich nicht mit der Beschreibung von Sachverhalten zufrieden, sondern man versucht, diese Sachverhalte darüber hinaus auch zu erklären, also Antworten auf Warum-Fragen und die Bedingungen bzw. Abhängigkeiten zwischen Sachverhalten zu erhalten. Bei einer wissenschaftlichen Erklärung muss zunächst sichergestellt werden, dass die Sachverhalte im Explanandum und in der Antezedensbedingung sich den Beschreibungsklassen zuordnen lassen, die in der jeweiligen psychologischen Gesetzmäßigkeit spezifiziert sind. Erklärungen setzen daher immer äußerst präzise Beschreibungen voraus. Als Erklärung erster Ordnung gilt, wenn der bedingende Sachverhalt im Explanans (unabhängige Variable) den Sachverhalt im Explanandum (abhängige Variable) erklärt. Häufig werden in der Psychologie Erklärungen zweiter Ordnung gefordert, also Erklärungen der Erklärungen. Der Schwerpunkt solcher Erklärungen liegt in der Regel auf den vermittelnden Prozessen zwischen den relevanten Sachverhalten der unabhängigen und der abhängigen Variablen, wobei es sich bei solchen vermittelnden Phänomenen, die der Beobachtung nicht direkt zugänglich sind (Black-Box-Modell der Psychologie) um hypothetische Konstrukte handelt.

Formal betrachtet geben im wissenschaftlichen Sprachgebrauch Erklärungen Antworten auf Warum-Fragen. Man unterscheidet dabei eine empirische Erklärung (Ereignis-Erklärung): Explanandum ist ein Sachverhalt; die Frage ist, aufgrund von welchen Antezedenzbedingungen und gemäß welchen Gesetzen ist es der Fall, dass der Sachverhalt gegeben ist; Explanans sind Antezedenzbedingungen und Gesetzesannahmen; und die theoretische Erklärung (Gesetzes-Erklärung): Explanandum ist eine Gesetzesaussage G; die Frage ist, aus welchen anderen Gesetzen lässt sich G ableiten? Explanans sind nur Gesetzesannahmen.

Erklärungen im alltäglichen Sprachgebrauch haben nach Stegmüller (1969) folgende Bedeutungen:

  • kausale Erklärung von Vorgängen und Tatsachen: Angabe von Ursachen für bestimmte Sachverhalte
  • Erklärung der Bedeutung eines Wortes: unsystematische Erläuterung des Sprachgebrauchs oder präzise Definition
  • Interpretation eines Textes: Erklärung des vom Autor Gemeinten
  • korrigierende Uminterpretation: im Sinne einer andersartigen Deutung
  • Auflösung einer Diskrepanz: zwischen dem, was jemand glaubt, und dem, was wirklich vorliegt
  • moralische Rechtfertigung von Handlungen: z.B. zur Erklärung eines bestimmten Norm-Verstoßes
  • detaillierte Schilderung von Handlungen: macht deutlich und verständlich, was jemand wie gemacht hat
  • Erklärung als Erklärung dafür, wie man etwas macht: was muss man tun, um etwas bestimmtes zu erreichen
  • Erläuterung der Funktionsweise eines komplexen Gegenstandes: z.B. „Wie funktioniert der Otto-Motor?“




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