Prognose

Bei einer Prognose in der Psychologie handelt es sich um eine vorwärts gerichtete Erklärung. Ein wesentliches Ziel der Psychologie als Wissenschaft besteht bekanntlich darin, Vorhersagen über künftige Sachverhalte zu treffen, etwa in Form von Hypothesen, die dann einer empirischen Prüfung unterzogen werden können. Prognosen liegt grundsätzlich derselbe Bedingungszusammenhang zwischen zwei Sachverhalten zugrunde wie bei einer Erklärung, doch geht es bei einer Prognose nicht darum, die abhängige Variable auf der Grundlage der unabhängigen zu erklären, sondern die abhängige Variable vorherzusagen. Was in einer Erklärung die abhängige Variable darstellt, wird bei der Prognose zum Kriterium, das vorhergesagt werden soll, während die unabhängige Variable bei der Prognose der Prädiktor ist, also dasjenige Phänomen, auf das sich die Prognose stützt.
Bei dieser Auffassung spricht man von Strukturparallelität, d. h., dass Erklärung und Prognose eine vergleichbare Struktur aufweisen und lediglich die Ausgangssituation eine andere ist. Während man bei der Erklärung vom Explanandum ausgeht, geht man bei der Prognose von der Randbedingung aus und und sucht nun nach einer geeigneten psychologischen Gesetzmäßigkeit, die es erlaubt, zusammen mit der Randbedingung einer Vorhersage über das Folgeereignis abzugeben.
Die Genauigkeit einer Prognose hängt  dabei von der Auswahl relevanter Prädiktoren, der präzise Beschreibung deer Prädiktoren und des Kriteriums, der richtigen Gewichtung der Prädiktoren nach ihrer empirischen Bedeutung und letztlich auch vom Zeitraum der Prognose, denn je länger der Zeitraum ist, über den sich eine Prognose erstreckt, desto ungenauer wird sie.
Prognosen in der Psychologie beziehen sich in der Regel nicht auf den Einzelfall, sondern auf Menschen im Allgemeinen oder auf eine bestimmte Personengruppe. Gute Prädiktoren sind in diesem Zusammenhang solche Prädiktoren, die sich empirisch bei der Überprüfung an einer größeren Personengruppe möglichst gut bewähren, die also das Auftreten eines Kriteriums auch empirisch nachweisbar beeinflussen, wobei man die Stärke des Einflusses eines Prädiktors auf ein Kriterium als statistischer Prognosewert des Prädiktors bezeichnet wird.  Dieser Prognosewert bezieht sich jedoch immer nur auf den Grad der Bewährung des Prädiktors an einer größeren Personengruppe, nicht aber auf den Einzelfall. Wenn man es in der Praxis mit einem Einzelfall zu tun hat, also eine individuelle Prognose erstellen möchte, muss man notwendig auf solche Prädiktoren zurückgreifen, die sich statistisch am besten bewährt haben. Im Einzelfall erlauben solche Prädiktoren jedoch nie eine genaue Prognose.




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