Evaluation

Evaluation in der Psychologie st nicht misszuverstehen als Tool im Qualitätsmanagement, im Controlling oder in anderen managerialen Zugängen, und auch nicht als ein Anwendungsfall sozialwissenschaftlicher Forschung, sondern sie ist eine Profession vergleichbar der auf gesetzlicher Grundlage anerkannten Profession der Psychologie.

1. Definition
„Evaluation (Bewertung) ist der Prozess (auch: das Ergebnis) der Beurteilung des Wertes eines Produktes, Prozesses oder Programmes unter Zugrundelegung eines Gütemaßstabes, um das Programm oder Produkt selbst zu verbessern. „Evaluation“ leitet sich aus dem lateinischen valere = wert sein, bei Kräften sein, hieraus abgeleitet: valoir (franz.) = kosten, wert sein, value (engl.) = Wert, Nutzen, evaluation (engli.) = Schätzung, Bewertung. Von Evaluation im Sinne der Evaluationsforschung spricht man dagegen nur dann, wenn die Evaluation anerkannte sozialwissenschaftliche Regeln und Methoden zugrunde legt“ (Helmke, 2009, S. 268).
2. Definition
[frz., zu évaluer >abschätzen<, >berechnen<, von lat. Valere >stark sein<, >wert sein<]. Sozialwissenschaften: Analyse und Bewertung eines Sachverhalts, v.a. als Begleitforschung einer Innovation. In diesem Fall ist E. Effizienz- und Erfolgskontrolle zum Zweck der Überprüfung der Eignung eines in Erprobung befind. Modells. E. wird auch u.a. in der Handlungsforschung der angewandten Sozialforschung, Pädagogik, Psychologie und Psychiatrie herangezogen (vgl. ohne Autor, 1997, S. 716).
3. Definition
Evaluation (Auswertung, Beurteilung) ist ein aus dem Engl. übernommener Begriff, der seit Ende der 60er Jahre auch in der dt. sprachigen päd.- psychol. Literatur Verbreitung gefunden hat. Trotz Überschneidung lässt sich eine zweifache Verwendung unterscheiden: Evaluation im Sinne einer Bewertung der Ergebnisse von Leistung-, Eignungs- und Begabungsmessungen in der Schule & Evaluation als Bezeichnung für Begleituntersuchungen zu innovativen Ansätzen in pädagogischen und sozialen Bereich. Im Deutschen wird Evaluation vorwiegen in dieser Bedeutung und fast ausschließlich im Zusammenhang mit Schulversuchen gebraucht (vgl. Rombach, 1974, S. 279).
4. Definition
Evaluation zielt auf die Beschreibung und Bewertung von Reformen im Elementar-, Primar-, Sekundär, – Tertiär- und Weiterbildungsbereich des Bildungswesens. Häufig wird aus den Ergebnissen der Evaluierung Aufschlüsse über die Notwendigkeit und Richtung umfassender Reformen erwartet (vgl. Wulf, 1989, S. 205).
5. Definition
„Der Begriff Evaluation stellt eine präzisierende Neubildung für die früher „amtlich“ gebrauchten Ausdrücke der „Begutachtung“ und der „Bewährungskontrolle“ dar. Er bezeichnet den Beitrag der Forschung bei der Durchführung von Innovationen oder bei der Behebung von Missständen. Dabei ist auf die Frage, wie denn methodologisch dieser evaluative Beitrag der Wissenschaft für die Praxis aussehen soll, gerade in der Erziehungswissenschaft prinzipiell widersprüchlich reagiert worden“ (Lenzen, 1989, S. 568).

Ist Evaluation auch Forschung?

Bei Evaluationen handelt es sich in der Regel um angewandte bzw. Praxisforschung, allerdings nur, wenn sie den üblichen wissenschaftlichen Qualitätsstandards genügt. Eher selten handelt es sich dabei um Grundlagenforschung, denn oft bringen groß angelegte Studien mit riesiger Finanzierung im Bereich der Evaluation nur Trivialitäten hervor, wobei Praktiker manchmal ungewöhnlich präzise Beobachtungen mit theoretischen Überlegungen auf hohem Niveau verbinden, so nach dem Prinzip „Anything goes“. Grundlagenforschung im Sinne der Klärung von theoretisch-begrifflich abgeleiteten Fragestellungen mit Hilfe eines komplexen Designs und aufwändigem methodischem Repertoire gelingt in der Regel ja auch nur dann, wenn sie anspruchsvolle Qualitätsstandards realisieren kann. Solchen Qualitätsstandards hat sich aber auch die angewandte bzw. Praxisforschung zu stellen, wenn sie für sich beansprucht, überhaupt Forschung zu sein. Die Fragestellungen sind natürlich in der Regel begrenzter, das Untersuchungsfeld sprich die Population bzw. Stichprobe ist meist schmal und der methodische Anspruch etwa in Bezug auf die Datenqualität eher bescheiden. Die Wertigkeit ihrer Ergebnisse bemisst sich jedoch stets daran, inwieweit sie im selbst gesteckten Rahmen die von ihr definierten wissenschaftliche Qualitätsstandards realisiert.

Siehe auch Evaluation & Evaluation in der Pädagogik

Literatur zum Thema Evaluation

Atria, M., Reimann, R. & Spiel, C. (2006). Qualitätssicherung durch Evaluation. In C. Steinebach (Hrsg.), Handbuch Psychologische Beratung (S. 574-586). Stuttgart: Klett-Cotta.
Bortz, J. & Döring, N. (2006). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler (4. Aufl.). Berlin: Springer.
Deutsche Gesellschaft für Evaluation (Hrsg.). (2001). Standards für Evaluation. Köln: Deutsch Gesellschaft für Evaluation e.V.
Helmke, A. (2009). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose und Evaluation des Unterrichts. Seelze: Verlag Klett.
Kirkpatrick, D. (1998). Evaluating training programs: The four levels (2. Aufl.). San Francisco, CA: Berrett-Koehler.
Kokavecz, I., Lammers, F. & Holling, H. (1999). Evaluation von computerunterstützten Lern- und Lehrprojekten. In H. Holling & G. Gediga (Hrsg.), Evaluationsforschung (S. 59-72). Göttingen: Hogrefe.
Lenzen, D. (1989). Pädagogische Grundbegriffe. Von Aggression – Interdisziplinarität. Reinbek bei Hamburg: Verlag Rowohlt.
Ohne Autor. (1997). Brockhaus – Die Enzyklopädie, 19. Aufl., Band 6. Mannheim: Verlag Brockhaus.
Owston, R.D. (2000). Evaluating web-based learning environments: Strategies and insights. CyberPsychology and Behavior, 3, 79-87.
Rombach, H. (1974). Lexikon der Pädagogik. Von Abendschulen bis Genetische Methoden. Band 1. München: Verlag Herder.
Spiel, C. & Strohmeier, D. (2006). Evaluation und Forschungsmethoden. In U. Kastner-Koller & P. Deimann (Hrsg.), Psychologie als Wissenschaft (S. 217- 237). Wien: WUV.
Tergan, S.O. (2004). Realistische Qualitätsevaluation von E-Learning. In D.M. Meister, S.O. Tergan & P. Zentel (Hrsg.), Evaluation von E-Learning. Zielrichtungen, methodologische Aspekte, Zukunftsperspektiven (S. 131-154). Münster: Waxmann.
Wottawa, H. & Thierau, H. (1998). Lehrbuch Evaluation (2. Aufl.). Bern: Huber.
Wulf, C. (1989). Wörterbuch der Erziehung. München: Verlag Piper.





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