Generalisierung

Generalisierung bezeichnet in der Lernpsychologie die Tatsache, dass gelernte Verhaltensweisen nicht nur durch die im Lernprozess gekoppelten Reize ausgelöst werden können, sondern auch durch ähnliche Reizsituationen. Die Generalisierung spielt in der Psychotherapie eine große Rolle bei der Entstehung von Angststörungen, denn wurde z.B. ein Mensch etwa einmal von einem Hund angegriffen, so generalisiert er diese Erfahrung auf sämtliche Hunde und meidet in Zukunft Hunde generell.

1. Definition
„Generalisierung bezeichnet den Vorgang der Verallgemeinerung von Aussagen, die in der Regel auf einer geringen Anzahl gleichlautender Erfahrungen beruhen. Bei den Lerntheoretikern bedeutet Generalisierung (Generalisation) die Tatsache, daß → Reaktionen, die sich auf bestimmte → Reize hin als erfolgreich erwiesen haben, auch auf ähnliche Reize hin vorrangig auftreten (Reaktionsgeneralisierung). Ein Schüler wird in diesem Sinne z.B. eine Mathematikaufgabe, die einer erfolgreich bewältigten ähnelt, mit derselben Lösungsstrategie angehen wie jene. Von Reizgeneralisierung ist die Rede, wenn der Reiz selbst auf ähnliche Reize ausgeweitet wird, z.B. die mit Angst verbundene Begegnung mit einer Spinne auch angstbesetzte Reaktionen vor ähnlichen Krabbeltieren auslöst“ (Köck & Ott, 1994, S. 252).

2. Definition
Generalisierung in allgemeiner Bedeutung bezeichnet einen Denkprozeß, bei welchem der Geltungsbereich eines Urteils, welches an einem oder mehreren Fällen gewonnen wurde, auf die ganze Klasse entsprechender Fälle ausgeweitet wird. Die Übertragung von einem oder mehreren Fällen auf eine Klasse entsprechender Fälle erfordert im allgemeinen begrifflich-abstraktes Denken und findet sich im Verlauf der menschlichen Entwicklung erst zu einem relativ späten Zeitpunkt (vgl. Dietrich & Walter, 1970, S. 111).

3. Definition
„[…] Generalisierungen können als Verallgemeinerungen, d.h. als kulturelle Überformung der individuellen Triebwünsche verstanden werden. So wird aus dem anfänglichen Saugreflex mehr und mehr ein sich in selbständigem Handlen manifestierendes Suchen der Milchquelle und schließlich das ‚gekonnte’ Absaugen derselben als ‚erster’ kultureller Leistung des Babys. […]“ (Kron, 1991, S. 115).

4. Definition
Generalisierung ist die Verallgemeinerung, Übergang von Einzelfällen zum Allgemeinbegriff oder zum allgemeinen Gesetz. Kartographie: Generalisierung bedeutet hier die Umgestaltung und der Übergang vom größeren zum kleineren Maßstab einer Karte für den Entwurf einer neuen Karte. Logik: Eine Allaussage zu generalisieren heißt, den ursprünglichen Subjektbegriff durch einen generellen Subjektbegriff zu ersetzten. Psychologie: Wenn bedingte Reaktionen (Reflexe) nicht nur auf den ursprünglichen, die Reaktion auslösenden Reiz entstehen, sondern auch durch Auslöser, die diesem ähnlich sind, spricht man von Generalisierung (vgl. Brockhaus Enzyklopädie, 1969, S. 92).

5. Definition
„1. Schluß von einem Teil auf das Ganze, von einem Element auf eine Elementenklasse. Die G. stellt eine Vorgehensweise innerhalb der → Induktion dar. 2. Ausweitung, Verallgemeinerung von Erscheinungen. Gegensatz: → Differenzierung. Man unterscheidet Reizgeneralisierung (Stimulusgeneralisierung) und → Reaktionsgeneralisierung. G. tritt häufig spontan auf (indem z.B. in der Therapie gelerntes neues Verhalten auch in der Realität gezeigt wird); noch häufiger allerdings muß die G. geplant unterstützt werden, damit die Therapie erfolgreich ist“ (Brunner & Zeltner, 1980, S. 83).

Literatur
Brockhaus Enzyklopädie (1969). Wiesbaden: F.A.Brockhaus.
Brunner, R. & Zeltner, W. (1980). Lexikon zur Pädagogischen Psychologie und Schulpädagogik. München: Ernst Reinhardt Verlag.
Dietrich, G. & Walter, H. (1970). Grundbegriffe der psychologischen Fachsprache. München: Ehrenwirth Verlag.
Köck, P. & Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer.
Kron, F. (1991). Grundwissen Pädagogik. München: Ernst Reinhardt Verlag.




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