fotografisches Gedächtnis

Fotografisches Gedächtnis ist die häufig fälschlicherweise verwendete Bezeichnung für das eidetische Phänomen, das  ein sehr starkes, gelegentlich nahezu perfektes visuelles Gedächtnis bezeichnet. Diese Fehlerhafte Bezeichnung liegt vermutlich daran, dass zahlreiche Versuche von Forschern mit standardisierten Fotografien mit zahlreichen Objekten durchgeführt worden sind.

Ein solches fotografische Gedächtnis zu erlernen und sich an viele gesehene Details zu erinnern, ist nicht möglich, doch kann das menschliche Gedächtnis darin geübt werden, Interessen und starke emotionale Verknüpfungen zu einem Thema aufzubauen, dass mit der Zeit in ähnlichen Situationen mehr Informationen gespeichert werden können. Übrigens: Schachmeister können sich zwar mühelos an Hunderte von Partien erinnern, was daran liegt, dass sie den Stellungen der Figuren eine große Bedeutung beimessen und in diesen Muster erkennen.

Übrigens: Die schwedische Firma Memoto will mit einer kleinen Kamera und einem Cloud-Dienst den Menschen ein perfektes fotografisches Gedächtnis bieten. Möglich werden soll dies mit einer kleinen Kamera, die san eine Jacke oder einen T-Shirt-Kragen geklippt, alle 30 Sekunden ein Bild aufnimmt. Spezielle Algorithmen wählen dann aus dem Datenberg die interessantesten Fotos aus, um aus ihnen automatisch eine Dokumentation des eigenen Lebens und seiner wichtigsten Augenblicke zusammenzufügen (Life-Logging). Die Bilder lassen sich später von der Kamera auf einen Rechner oder einen Cloud-Dienst übertragen, wo die Aufnahmen von speziellen Algorithmen verarbeitet und gruppiert werden, etwa nach den dominanten Farben in den Fotos. Die Bildverarbeitung soll aus der Sammlung von allen Bildern vor allem aber jene Momente herausfiltern, die an einem Tag als besonders wichtig eingestuft werden. Das können etwa die Stunden sein, die man arbeitend vor dem Rechner verbracht hat, oder eine Kaffeepause mit Freunden, wobei jeder Moment wird mit einem prägnanten Bild dargestellt wird.

Fotografie und Gedächtnis

Immer mehr Menschen fotografieren in Museen die Kunstwerke mit ihrem Handy oder ihrer Digitalkamera, was übrigens auch für Touristen generell gilt, auch diese betrachten die besuchten Städte vorwiegend durch das Objektiv ihrer Kamera als mit freiem Auge. Zwei Untersuchungen in den USA (Henkel, 2014) zeigen jedoch, dass diese Angewohnheit der wahren Kunstbetrachtung eher im Weg steht, denn wer während eines Museumsbesuchs fotografierte, kann sich am nächsten Tag viel schlechter an die Bilder erinnern als jene BesucherInnen, die vor einem Kunstwerk in stiller Betrachtung verharrten. Das gilt vor allem für Bilddetails aber auch die Position im Museum. Erklärt wird das Ergebnis mit der aktiveren Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk.

Super Recognizer bei der Fahndung nach Kriminellen

Seit neuestem stützen sich polizeiliche Ermittler auf Super Recognizer, das sind Fahnder mit Foto-Gedächtnis, die in der Lage sind, ein einmal erkanntes Gesicht nie mehr zu vergessen. Auf Bildern und Videos erkennen sie sofort Menschen wieder, die sie auf anderen Fahndungsunterlagen oder in natura schon gesehen haben. Und das gelingt selbst dann, wenn die Personen unscharf abgebildet oder gealtert sind. Dabei ist die Erkennung persönlich bekannter Gesichter extrem schnell, weitaus weniger fehleranfällig und bleibt von Computern ungeschlagen. Die Forschung dazu ist noch nicht weit fortgeschritten, doch immerhin glaubt zu wissen, dass viele Super Recognizer gut darin sind, Prominente anhand von deren Kinderbildern zu erkennen.
Von der Universität von Greenwich gibt es einen online Test, mit dem man überprüfen kann, obwohl ein solcher Super Recognizer ist.
Link: https://www.yahoo.com/health/are-you-a-super-recognizer-test-tells-if-youre-121678964207.html (15-11-21)

Literatur
Henkel, Linda A. (2014). Point-and-Shoot Memories: The Influence of Taking Photos on Memory for a Museum Tour. Psychological Science, 25, 396-402.



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